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Vorschrift
Normgeber:Ministerium für Raumordnung und Umwelt
Aktenzeichen:24/20002-03
Erlassdatum:08.07.1999
Fassung vom:08.07.1999
Gültig ab:30.09.1999
Quelle:Wappen Sachsen-Anhalt
Gliederungs-Nr:230.u
Fundstelle:MBl. LSA. 1999, 1237
Richtlinie zur Durchführung landesplanerischer Abstimmungen raumbedeutsamer Planungen und Maßnahmen

230.u



Richtlinie zur Durchführung landesplanerischer
Abstimmungen raumbedeutsamer Planungen
und Maßnahmen



RdErl. des MU vom 8. 7. 1999 – 24/20002-03



– Im Einvernehmen mit MI, MS, MK, MW, ML, MWV –



Fundstelle: MBl. LSA 1999, S. 1237



Bezug:
1. Bau- und Raumordnungsgesetz 1998 (BauROG) vom 18. 8. 1997 (BGBl. I S. 2081)
2. Gesetz über die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVPG) vom 12.2.1990 (BGBl. I S. 205), zuletzt geändert durch Art. 7 des Bau- und Raumordnungsgesetzes 1998 vom 18. 8. 1997 (BGBl. I S. 2081)
3. Landesplanungsgesetz des Landes Sachsen-Anhalt (LPlG) vom 28. 4. 1998 (GVBl. LSA S. 255)
4. Raumordnungsverordnung (RoV) vom 13. 12. 1990 (BGBl. I S. 2766), zuletzt geändert durch Art. 4 des Bau- und Raumordnungsgesetzes vom 18. 8. 1997 (BGBl. I S. 2081)





Inhaltsübersicht



I.

Vorbemerkungen

II.

Rechtliche Grundlagen

III.

Landesplanerische Abstimmung raumbedeutsamer Planungen und Maßnahmen

1.

Zuständigkeit für die landesplanerische Abstimmung

2.

Mitteilungs- und Auskunftspflicht

3.

Entscheidung über die Art der landesplanerischen Abstimmung

IV.

Raumordnungsverfahren mit Umweltverträglichkeitsprüfung

1.

Zweck und Inhalt des Raumordnungsverfahrens

2.

Zuständigkeiten für das Raumordnungsverfahren

3.

Vorbereitung des Raumordnungsverfahrens

3.1.

Informelle Vorbesprechung

3.2.

Antragskonferenz

3.2.1.

Zweck der Antragskonferenz

3.2.2.

Unterlagen für die Antragskonferenz

3.2.3.

Beteiligte der Antragskonferenz

3.2.4.

Durchführung der Antragskonferenz

3.2.5.

Ergebnis der Antragskonferenz

3.3.

Erarbeitung der Verfahrensunterlagen durch den Träger der Planung oder Maßnahme

3.3.1.

Anforderungen an die Raumverträglichkeitsstudie

3.3.2.

Anforderungen an die Umweltverträglichkeitsstudie

4.

Durchführung des Raumordnungsverfahrens

4.1.

Einleitung des Raumordnungsverfahrens

4.2.

Beteiligungsverfahren

4.3.

Erörterung im Raumordnungsverfahren

5.

Abschluß des Raumordnungsverfahrens

5.1.

Beschreibung der raumbedeutsamen Auswirkungen einschließlich der raumbedeutsamen Umweltauswirkungen

5.1.1.

Zusammenfassende Darstellung der raumbedeutsamen Auswirkungen der Planung oder Maßnahme

5.1.2.

Zusammenfassende Darstellung der raumbedeutsamen Auswirkungen auf die Umwelt

5.2.

Bewertung der raumbedeutsamen Auswirkungen einschließlich der raumbedeutsamen Umweltauswirkungen

5.2.1.

Raumverträglichkeitsprüfung

5.2.2.

Umweltverträglichkeitsprüfung

5.2.3.

Raumordnerische Gesamtabwägung

5.3.

Darstellung der landesplanerischen Beurteilung

5.3.1.

Ergebnis des Raumordnungsverfahrens mit Umweltverträglichkeitsprüfung

5.3.2.

Sachverhalt

5.3.3.

Begründung

6.

Bekanntgabe des Ergebnisses des Raumordnungsverfahrens einschließlich der Umweltverträglichkeitsprüfung

V.

Landesplanerische Stellungnahme

1.

Zweck der landesplanerischen Stellungnahme

2.

Zuständigkeit für die landesplanerische Stellungnahme

3.

Erarbeitung der landesplanerischen Stellungnahme

4.

Bekanntgabe des Ergebnisses

VI.

Abgabe von Stellungnahmen im Rahmen öffentlich-rechtlicher Verfahren im Sinne von § 16 Abs. 2 Nr. 1 und Abs. 3 Nr. 1 LPlG



VII.

Rechtswirkung der Ergebnisse landesplanerischer Abstimmungen

1.

Raumordnungsverfahren mit Umweltverträglichkeitsprüfung

1.1.

Wirkung auf das nachfolgende Zulassungsverfahren

1.2.

Rechtsschutzmöglichkeiten

2.

Landesplanerische Stellungnahme

VIII.

Inkrafttreten





Anlagen



Anlage 1

Landesplanerische Abstimmung nach Landesplanungsgesetz des Landes Sachsen-Anhalt (LPlG) - Übersicht

Anlage 2

Ablauf des Raumordnungsverfahrens mit Umweltverträglichkeitsprüfung

Anlage 3

Arbeitsschema zur Ermittlung des voraussichtlichen Untersuchungsrahmens für die Umweltverträglichkeitsprüfung im Raumordnungsverfahren (Muster)

Anlage 4

Festlegung des voraussichtlichen Untersuchungsrahmens gemäß § 5 UVPG (Muster)

Anlage 5

Musterschreiben für die förmliche Einleitung eines Raumordnungsverfahrens mit Umweltverträglichkeitsprüfung

Anlage 6

Öffentliche Bekanntmachung (Muster)

Anlage 7

Presseinformation (Muster)

Anlage 8

Gliederung für die Raumverträglichkeitsstudie (Muster)

Anlage 9

Mindestanforderungen an die Unterlagen des Trägers der Planung oder Maßnahme für die Umweltverträglichkeitsprüfung im Raumordnungsverfahren

Anlage 10

Gliederung für eine Umweltverträglichkeitsstudie im Raumordnungsverfahren (Muster)

Anlage 11

Mindestvorgaben für die Beschreibung der raumbedeutsamen Auswirkungen der Planung oder Maßnahme (Raumverträglichkeitsprüfung)

Anlage 12

Orientierungsrahmen für die zusammenfassende Darstellung der raumbedeutsamen Umweltauswirkungen gemäß § 11 UVPG (Muster)





I.


Entsprechend dem Bau- und Raumordnungsgesetz 1998 (BauROG) vom 18. 8. 1997 (BGBl. I S. 2081) sowie dem Landesplanungsgesetz des Landes Sachsen-Anhalt (LPlG) vom 28. 4. 1998 (GVBl. LSA S. 255)

sind das Raumordnungsverfahren und die landesplanerische Stellungnahme in ihrer rechtlichen Wirkung als sonstige Erfordernisse der Raumordnung gleichgestellt (§ 3 Nr. 4 ROG),
hat die zuständige obere Landesplanungsbehörde innerhalb einer Frist von vier Wochen über die Art der landesplanerischen Abstimmung zu entscheiden (§ 13 Abs. 2 LPlG),
prüft die Landesplanungsbehörde im Raumordnungsverfahren die Raumverträglichkeit und die Umweltverträglichkeit (§ 15 Abs. 1 LPlG),
werden Hinweise für die Durchführung der Umweltverträglichkeitsprüfung gegeben mit dem Ziel, Inhalt und Untersuchungstiefe der Umweltverträglichkeitsuntersuchung im Raumordnungsverfahren von der im nachfolgenden Zulassungsverfahren abzugrenzen,
ist ein Raumordnungsverfahren nach Vorliegen der vollständigen Unterlagen in einem Zeitraum von höchstens sechs Monaten abzuschließen (§ 15 Abs. 9 LPlG).


In Umsetzung des geltenden Raumordnungsrechts umfaßt diese Richtlinie den gesamten Handlungsrahmen landesplanerischer Abstimmungen und bezieht sich sowohl auf Raumordnungsverfahren als auch auf landesplanerische Stellungnahmen.

Diese Richtlinie stellt eine Handreichung zur Durchführung landesplanerischer Abstimmungen in Sachsen-Anhalt dar und ist an die Landesplanungsbehörden gerichtet.





II.


Neben den unter der Bezugsvorschrift aufgeführten rechtlichen Grundlagen sind bei der Durchführung von Raumordnungsverfahren mit Umweltverträglichkeitsprüfung und bei der Erarbeitung von landesplanerischen Stellungnahmen insbesondere folgende Rechts- und Verwaltungsvorschriften sowie Arbeitsmaterialien zu beachten:



1.
Baugesetzbuch (BauGB) i. d. F. vom 27. 8. 1997 (BGBl. I S. 2141), zuletzt durch Art. 2 Abs. 6 des Begleitgesetzes zum Telekommunikationsgesetz vom 17. 12. 1997 (BGBl. I S. 3108),


2.
Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) i. d. F. vom 21. 9. 1998 (BGBl. I S. 2994),


3.
Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz (KrW-/AbfG) vom 27. 9. 1994 (BGBl. I S. 2705), zuletzt geändert durch Art. 4 des Gesetzes zur Ausführung des Protokolls vom 7. November 1996 zum Übereinkommen über die Verhütung der Meeresverschmutzung durch das Einbringen von Abfällen und anderen Stoffen von 1972 vom 25. 8. 1998 (BGBl. I S. 2455),


4.
Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchG) i. d. F. vom 14. 5. 1990 (BGBl. I S. 880), zuletzt geändert durch Art. 1 des Gesetzes vom 19. 10. 1998 (BGBl. I S. 3178),


5.
Bundesberggesetz (BBergG) vom 13. 8. 1980 (BGBl. I S. 1310), zuletzt geändert durch Art. 4 Abs. 9 des Sechsten Gesetzes zur Reform des Strafrechts vom 26. 1. 1998 (BGBl. I S. 164),


6.
Bundes-Bodenschutzgesetz (BBodSchG)


7.
Wasserhaushaltsgesetz (WHG)i. d. F. vom 12. 11. 1996 (BGBl. I S. 1695), zuletzt geändert durch Artikel 2 des Gesetzes zur Ausführung des Protokolls vom 7. November 1996 zum Übereinkommen über die Verhütung der Meeresverschmutzung durch das Einbringen von Abfällen und anderen Stoffen von 1972 vom 25. 8. 1998 (BGBl. I S. 2455),


8.
Flurbereinigungsgesetz i. d. F. vom 16. 3. 1976 (BGBl. I S. 546), zuletzt geändert durch Art. 27 des Justizmitteilungsgesetzes und Gesetzes zur Änderung kostenrechtlicher und anderer Gesetze vom 18. 6. 1997 (BGBl. I S. 1430),


9.
Landwirtschaftsanpassungsgesetz (LwAnpG) i. d. F. vom 3. 6. 1991 (BGBl. I S. 1418), zuletzt geändert durch Art. 2 § 28 des Schiedsverfahrens-Neuregelungsgesetzes vom 22. 12. 1997 (BGBl. I S. 3224),


10.
Verwaltungsverfahrensgesetz für das Land Sachsen-Anhalt (VwVfG LSA) i. d. F. vom 7. 1. 1999 (GVBl. LSA S. 2) geändert durch Art. 1 § 1 des Landesdiskontsatzüberleitungsgesetzes vom 24. 3. 1999 (GVBl. LSA S. 108),


11.
Naturschutzgesetz des Landes Sachsen-Anhalt (NatSchG LSA) vom 11. 2. 1992 (GVBl. LSA S. 108), zuletzt geändert durch Gesetz vom 27. 1. 1998 (GVBl. LSA S. 28),


12.
Abfallgesetz des Landes Sachsen-Anhalt (AbfG LSA) vom 10. 3. 1998 (GVBl. LSA S. 112),


13.
Wassergesetz für das Land Sachsen-Anhalt (WGLSA) i. d. F. vom 21. 4. 1998 (GVBl. LSA S. 186), zuletzt geändert durch Art. 5 des Haushaltsbegleitgesetzes 1999 vom 30. 3. 1999 (GVBl. LSA S. 120),


14.
Denkmalschutzgesetz des Landes Sachsen-Anhalt vom 21. 10. 1991 (GVBl. LSA S. 368), zuletzt geändert durch Art. 2 des Gesetzes zum Enteignungsgesetzes des Landes Sachsen-Anhalt und zur Änderung des Denkmalschutzgesetzes und des Wassergesetzes vom 13. 4. 1994 (GVBl. LSA S. 508),


15.
Landeswaldgesetz vom 13. 4. 1994 (GVBl. LSA S. 520),


16.
Landeswirtschaftsgesetz Sachsen-Anhalt (LwG LSA) vom 28. 10. 1997 (GVBl. LSA S. 919),


17.
Fischereigesetz (FischG) vom 31. 8. 1993 (GVBl. LSA S. 464), zuletzt geändert durch Art. 2 Abs. 10 des Gesetzes zur Änderung verwaltungsverfahrensrechtlicher Vorschriften vom 21. 11. 1997 (GVBl. LSA S. 1018),


18.
Gesundheitsdienstgesetz (GDG LSA) vom 21. 11. 1997 (GVBl. LSA S. 1023),


19.
Allgemeine Verwaltungsvorschrift zur Ausführung des Gesetzes über die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVPVwV) vom 18. 9. 1995 (GMBl. S. 671),


20.
Aufgaben von technischen Fachbehörden der Umweltverwaltung bei der Durchführung von Umweltverträglichkeitsprüfungen in Sachsen-Anhalt (RdErl. des MU vom 9. 11. 1998, MBl. LSA S. 2300),


21.
Einrichtung und Führung des Raumordnungskatasters des Landes Sachsen-Anhalt ROK LSA (RdErl. des MRLU vom 10. 6. 1997, MBl. LSA S. 1390),


22.
Raumordnerische Prüfung bergbaulicher Vorhaben (Gem. RdErl. des MU und MW vom 28. 11. 1995, MBl. LSA S. 2413),


23.
Handlungsrichtlinie für die Auswahl von Standorten für Siedlungsabfalldeponien – Standorterlaß Deponien (Gem. RdErl. des MU und MW vom 2. 9. 1994, MBl. LSA S. 2437),


24.
Verwaltungsvorschrift zum Denkmalschutzgesetz des Landes Sachsen-Anhalt (RdErl. des MK vom 16. 12. 1997, MBl. LSA S. 2127),


25.
Abstände zwischen Industrie- bzw. Gewerbegebieten und Wohngebieten im Rahmen der Bauleitplanung unter den Aspekten des Immissionsschutzgesetzes – Abstandserlaß – (RdErl. des MU vom 26. 8. 1993, MBl. LSA S. 2344),


26.
Richtlinie zur Standortplanung und -beurteilung von Windenergieanlagen (RdErl. des MU vom 29. 4. 1996, MBl. LSA S. 1423),


27.
Richtlinie für Planung, Genehmigung, Anlage und Betrieb von Golfplätzen in Sachsen-Anhalt (RdErl. des MRLU vom 2. 1. 1997, MBl. LSA S. 571),


28.
Entschließung der Ministerkonferenz für Raumordnung "Großflächige Freizeiteinrichtungen in der Raumordnung und Landesplanung" vom 14. 2. 1992 (Bek. des MRS vom 15. 6. 1992, MBl. LSA S. 826),


29.
Abgrenzung der Bewirtschaftungsgebiete für Rot-, Dam- und Muffelwild (RdErl. des ML vom 25. 1. 1998, MBl. LSA S. 388),


30.
Umgang mit FFH-Gebieten im Land Sachsen-Anhalt, Durchführung der Verträglichkeitsprüfung nach Art. 6 Abs. 3 FFH-RL (Erl. des MRLU vom 26. 11. 1997, nicht veröffentlicht),


31.
Biotoptypen-Richtlinie des Landes Sachsen-Anhalt (RdErl. des MU vom 1. 6. 1994, MBl. LSA S. 2099), zuletzt geändert durch RdErl. des MU vom 5. 11. 1998 (MBl. LSA S. 2225),


32.
Anerkannte Naturschutzverbände (RdErl. des MU vom 19. 4. 1994, MBl. LSA S. 1142),


33.
Anerkennung von Verbänden nach § 29 des Bundesnaturschutzgesetzes (RdErl. des MU vom 29. 11. 1995, MBl. LSA S. 52),


34.
Hinweise zur Beteiligung der Träger öffentlicher Belange im Verfahren für Flächennutzungspläne und Satzungen nach dem Baugesetzbuch (RdErl. des MRS vom 3. 9. 1993, MBl. LSA S. 2279).




Weiterhin sind folgende Pläne und Programme zu beachten:



1.
Regionale Entwicklungsprogramme für die Regierungsbezirke des Landes Sachsen-Anhalt (Beschl. der LReg. vom 30. 1. 1996. MBl. LSA S. 541),


2.
Regionale Teilgebietsentwicklungsprogramme,


3.
Flächennutzungspläne,


4.
Landschaftsprogramm des Landes Sachsen-Anhalt (Bek. des MU vom 2. 9. 1994, MBl. LSA S. 2564),


5.
Landschaftsrahmenpläne gemäß § 6 NatSchG LSA,


6.
Agraratlas des Landes Sachsen-Anhalt 1996, Ministerium für Raumordnung, Landwirtschaft und Umwelt des Landes Sachsen-Anhalt, 1. Auflage, Mai 1997,


7.
Agrarstrukturelle Vorplanungen (AVP), Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten des Landes Sachsen-Anhalt,


8.
Agrarentwicklungsplanungen (AEP), Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten des Landes Sachsen-Anhalt,


9.
Pläne nach § 41 FlurbG, Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten des Landes Sachsen-Anhalt,


10.
Dorferneuerungsplanungen, Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten des Landes Sachsen-Anhalt


sowie die Verordnungen der jeweils betroffenen Schutzgebiete.


Als weitere Handlungsrichtlinien werden empfohlen:



1.
Broschüre "Empfehlungen zum Bodenschutz in der Bauleitplanung", Ministerium für Raumordnung und Umwelt des Landes Sachsen-Anhalt, September 1998


2.
Broschüre "Bodenschutz in der räumlichen Planung", Berichte des Landesamtes für Umweltschutz Sachsen-Anhalt, 1998 – Heft 29 Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt, Oktober 1998




III.


1.

Die Zuständigkeit für die landesplanerische Abstimmung raumbedeutsamer Planungen und Maßnahmen nach § 13 LPlG liegt bei der oberen Landesplanungsbehörde.



2.

Für raumbedeutsame Planungen und Maßnahmen besteht gemäß § 13 Abs. 1 LPlG ein Abstimmungsgebot. Danach haben öffentliche Stellen und Personen des Privatrechts nach § 4 Abs. 3 ROG ihre raumbedeutsamen Planungen und Maßnahmen aufeinander und untereinander abzustimmen. Sie sind diesbezüglich der Landesplanungsbehörde gegenüber mitteilungs- und auskunftspflichtig.

Der Träger der Planung oder Maßnahme hat im Rahmen seiner Mitteilungspflicht der Landesplanungsbehörde mindestens Art(Projektbeschreibung) und Lage (Lageplan) seiner Planung oder Maßnahme schriftlich anzuzeigen.

Im Ermessen der Landesplanungsbehörde liegt die Entscheidung, ob aus landesplanerischer Sicht das Erfordernis nach weiteren Informationen zur Abstimmung der raumbedeutsamen Planung oder Maßnahme besteht. Diese sind vom Träger der Planung oder Maßnahme im Rahmen seiner Auskunftspflicht beizubringen.



3.

Die Landesplanungsbehörde hat in einer Ermessensentscheidung zu prüfen, ob zur landesplanerischen Abstimmung der mitgeteilten raumbedeutsamen Planung oder Maßnahme (siehe Anlage 1) die Durchführung eines Raumordnungsverfahrens geboten ist oder ob eine landesplanerische Stellungnahme ausreicht (§ 13 Abs. 2 LPlG).



Die Landesplanungsbehörde prüft entsprechend der RoV und § 15 LPlG, ob die mitgeteilte Planung oder Maßnahme hinsichtlich

1.
der Raumbedeutsamkeit und
2.
der überörtlichen Bedeutung

ein Raumordnungsverfahren erfordert.



Dabei berücksichtigt sie

1.
eventuelle Standort- oder Trassenalternativen,
2.
die möglicherweise erheblichen Auswirkungen auf die Umwelt und
3.
die Abstimmungsbedürftigkeit.


Unter raumbedeutsame Planungen und Maßnahmen i. S. der §§ 13, 15 LPlG sind alle Planungen (außer Raumordnungspläne), Vorhaben und sonstige Maßnahmen erfaßt, durch die nach § 3 Nr. 6 ROG entweder Raum in Anspruch genommen oder die räumliche Entwicklung oder auch Funktion eines Gebiets unter Berücksichtigung der hierfür vorgesehenen öffentlichen Finanzmittel beeinflußt wird.

Die Aufnahme der Vorhaben in das ROG stellt die Verbindung zu § 35 Abs. 3 Satz 3 BauGB und § 2 UVPG her und verdeutlicht, daß Vorhaben i. S. des BauGB und UVPG zugleich raumbedeutsame Planungen und Maßnahmen i. S. des LPlG sind. Sonstige Maßnahmen können z. B. bestimmte Raumnutzungen wie Aufschüttungen, Abgrabungen, Ausschachtungen sowie Ablagerungen einschließlich Lagerstätten sein.



Überörtliche Bedeutung hat eine Planung oder Maßnahme dann, wenn sie nach ihrer Rauminanspruchnahme oder in ihren räumlichen Auswirkungen über das Gemeindegebiet ihres Standortes hinausreicht oder für die Ordnung des Raumes bedeutsam sein könnte.



Mit § 3 und der Anlage hierzu beschreibt das UVPG den Kreis der prüfpflichtigen Vorhaben, bei deren Realisierung mit erheblichen Umweltauswirkungen zu rechnen ist. Dem Ziel einer wirksamen Umweltvorsorge wird damit entsprochen. Die Verbindung zum Raumordnungsverfahren wird über die RoV hergestellt.



Auswirkungen auf die Umwelt i. S. des § 2 Abs. 1 Satz 2 UVPG sind Veränderungen der menschlichen Gesundheit oder der physikalischen, chemischen oder biologischen Beschaffenheit einzelner Bestandteile der Umwelt oder der Umwelt insgesamt, die von einem Vorhaben i. S. der Anlage zu § 3 UVPG verursacht werden.



Die Erheblichkeit ist an den fachgesetzlichen Maßstäben zu orientieren, denn der Untersuchungsumfang der Auswirkungen auf die Umwelt wird auf diejenigen Umweltfaktoren beschränkt, die tatsächlich für die Zulassungsentscheidung (z. B. Erteilung einer Genehmigung) von Bedeutung sind.

Weiterhin ist nach § 19c BNatSchG entsprechend der Planungsebene Raumordnung einzuschätzen, ob Gebiete nach §§ 19a, 19b BNatSchG erheblich beeinträchtigt werden können.

Eine Abstimmungsbedürftigkeit liegt vor, wenn für die Planung oder Maßnahme ein Koordinierungsbedarf erkennbar ist.



Die Landesplanungsbehörde kann von einem Raumordnungsverfahren absehen. Näheres regelt § 15 Abs. 2 LPlG.



Das Ergebnis ihrer Prüfung,

1.
die Durchführung eines Raumordnungsverfahrens ist notwendig (siehe Abschnitt IV) oder
2.
die landesplanerische Stellungnahme reicht aus (siehe Abschnitt V),

teilt die Landesplanungsbehörde innerhalb einer Frist von vier Wochen nach Einreichung der hierfür erforderlichen Unterlagen dem Träger der Planung oder Maßnahme schriftlich mit (§ 13 Abs. 2 LPlG). Für den Fall, daß aus Sicht der Landesplanungsbehörde kein Raumordnungsverfahren erforderlich ist, hat sie vor Bekanntgabe der Entscheidung der obersten Landesplanungsbehörde zu berichten.

Hält die Landesplanungsbehörde ein Raumordnungsverfahren für erforderlich, sind die Regelungen über die Zuständigkeit der obersten, oberen und unteren Landesplanungsbehörde zur Durchführung von Raumordnungsverfahren (§ 16 LPlG) zu beachten. Den Träger der Planung oder Maßnahme setzt sie darüber schriftlich in Kenntnis.



Sollte sich im Ergebnis der Prüfung herausstellen, daß weder ein Raumordnungsverfahren, noch eine landesplanerische Stellungnahme erforderlich ist, da es sich um keine raumbedeutsame Planung oder Maßnahme handelt, so ist dies dem Träger der Planung oder Maßnahme bzw. der öffentlichen Stelle, die die Mitteilung gemacht hat, schriftlich mitzuteilen.





IV.


1.

Raumordnungsverfahren haben nach § 15 Abs. 1 Satz 1 LPlG den Zweck, vor Erteilung der öffentlich-rechtlichen Genehmigung im Rahmen der Raumverträglichkeitsprüfung in zwei Prüfungsschritten festzustellen, ob Planungen oder Maßnahmen mit den Erfordernissen der Raumordnung übereinstimmen (Feststellungsaufgabe) und wie sie unter den Gesichtspunkten der Raumordnung ggf. unter Einbeziehung von Maßgaben aufeinander abgestimmt oder durchgeführt werden können (Koordinierungsaufgabe).



Nach § 15 Abs. 1 Satz 2 und Satz 5 LPlG werden im Raumordnungsverfahren außerdem die raumbedeutsamen Auswirkungen der Planung oder Maßnahme

1.
auf die in den Grundsätzen gemäß § 2 Abs. 2 ROG genannten Belange unter überörtlichen Gesichtspunkten geprüft sowie
2.
auf die Schutzgüter gemäß § 2 Abs. 1 Satz 2 UVPG entsprechend dem Planungsstand (Umweltverträglichkeitsprüfung nach § 16 Abs. 1 UVPG) ermittelt, beschrieben und bewertet.


Weiterhin ist einzuschätzen, ob die Planung oder Maßnahme Gebiete nach §§ 19 a, 19 b BNatSchG erheblich beeinträchtigen kann.



Kommt die Landesplanungsbehörde in der landesplanerischen Gesamtabwägung zu einem negativen Ergebnis, muß die Unvereinbarkeit der Planung oder Maßnahme festgestellt werden. Das Raumordnungsverfahren trägt damit insgesamt zu einer nachhaltig geordneten und umweltverträglichen Entwicklung des Raumes bei.



In Sachsen-Anhalt ist für jedes Raumordnungsverfahren eine dem Planungsstand entsprechende Umweltverträglichkeitsprüfung vorgeschrieben. Dabei ist der Erkenntnisstand der Planungsebene Raumordnung zugrunde zu legen. Es erfolgt demnach eine Überprüfung und Bewertung der Planung oder Maßnahme anhand der in § 2 Abs. 1 Satz 2 UVPG geregelten Umweltfaktoren unter überörtlich raumbedeutsamen Gesichtspunkten und aus überfachlichem Blickwinkel gemäß den stufenspezifischen Anforderungen der EG-UVP-Richtlinie.



Im Rahmen der Umweltverträglichkeitsprüfung ist auch eine Einschätzung der Verträglichkeit i. S. des § 19 c BNatSchG mit den Erhaltungszielen eines Gebiets von gemeinschaftlicher Bedeutung oder eines Europäischen Vogelschutzgebiets durchzuführen.



Die Umweltverträglichkeitsprüfung im Raumordnungsverfahren muß so ausgestaltet sein, daß deren Verfahrensschritte und Bewertung wegen der Einhaltung der Einhaltung der §§ 5 bis 8, 9 Abs. 3 und 11 UVPG unter überörtlich raumbedeutsamen Aspekten im Zulassungsverfahren grundsätzlich nicht wiederholt werden müssen. Diese Verfahrensschritte entfallen im Zulassungsverfahren jedoch nicht vollends, sondern werden um einen wesentlichen Teil entlastet (siehe auch Abschnitt VII Nr. 1.1.).

Die Umweltverträglichkeitsprüfung im Raumordnungsverfahren folgt den gleichen Regeln wie die Umweltverträglichkeitsprüfung im Zulassungsverfahren. Die Elemente Unterrichtung über den voraussichtlichen Untersuchungsrahmen (Scoping), Durchführung der Umweltuntersuchung, Behörden- und Öffentlichkeitsbeteiligung, zusammenfassende Darstellung der Umweltauswirkungen, Bewertung und Berücksichtigung sind in das Raumordnungsverfahren integriert (siehe Abschnitt IV Nrn. 3 bis 6).

Der Ablauf eines Raumordnungsverfahrens mit integrierter Umweltverträglichkeitsprüfung ist in Anlage 2 dargestellt.



2.

Die Regelzuständigkeit für die Durchführung von Raumordnungsverfahren liegt gemäß § 16 Abs. 2 Nr. 2 LPlG bei der oberen Landesplanungsbehörde.

Bei Planungen oder Maßnahmen, die sich in ihren räumlichen Auswirkungen auf das Gebiet eines Landkreises beschränken, kann die obere Landesplanungsbehörde gemäß § 16 Abs. 3 Nr. 2 LPlG die Zuständigkeit für die Durchführung von Raumordnungsverfahren auf die untere Landesplanungsbehörde übertragen. Bei Planungen oder Maßnahmen, die von Landesbedeutung sind bzw. die grenzüberschreitend sich über mehrere Regierungsbezirke oder Bundesländer erstrecken, liegt die Zuständigkeit für die Durchführung von Raumordnungsverfahren nach § 16 Abs. 1 Nr. 11 LPlG bei der obersten Landesplanungsbehörde. Sie kann die Zuständigkeit für das gesamte Verfahren oder für einzelne Verfahrensschritte auf eine obere Landesplanungsbehörde übertragen.

Gemäß § 15 Abs. 1 Satz 5 LPlG ist die Umweltverträglichkeitsprüfung entsprechend dem Planungsstand als unselbständiger Teil jedes Raumordnungsverfahrens geregelt. Das Raumordnungsverfahren wird damit zum Trägerverfahren für die Umweltverträglichkeitsprüfung.

Die verfahrensführende Landesplanungsbehörde ist im Raumordnungsverfahren zuständig für die Umweltverträglichkeitsprüfung und die Einschätzung der Verträglichkeit i. S. des § 19 c BNatSchG.



3.

Die Landesplanungsbehörde kann zur Vorbereitung des Raumordnungsverfahrens eine informelle Vorbesprechung und eine Antragskonferenz durchführen.



3.1.
Informelle Vorbesprechung

Die informelle Vorbesprechung hat den Zweck, den Träger der Planung oder Maßnahme auf die rechtlichen Rahmenbedingungen hinzuweisen und weitere Verfahrensschritte inhaltlich und zeitlich abzusprechen. Darüber hinaus ist über die Notwendigkeit einer Umweltverträglichkeitsprüfung und einer Einschätzung der Verträglichkeit i. S. des § 19 c BNatSchG sowie über Planungen Dritter zu informieren. Zweckdienliche Daten, Informationen und Unterlagen, die der Landesplanungsbehörde, nicht aber dem Träger der Planung oder Maßnahme zugänglich sind, stellt sie zur Verfügung, u. a. aus dem Raumordnungskataster. Hierzu zählen auch Informationen von anderen Fachbehörden. Weiterhin soll die Landesplanungsbehörde dem Träger der Planung oder Maßnahme ihr vorliegende Informationen, die für die Beibringung der Unterlagen nach § 6 UVPG zweckdienlich sind, zur Verfügung stellen, soweit nicht Rechte Dritter, insbesondere Vorschriften über Geheimhaltung und Datenschutz, entgegenstehen.

Läßt die Planung oder Maßnahme Konflikte mit anderen räumlichen Belangen erwarten, so wirkt die Landesplanungsbehörde darauf hin, daß Alternativen bzw. Varianten der Planung oder Maßnahme angegeben werden.

Könnten durch die Planung oder Maßnahme Erhaltungsziele oder Schutzzwecke der Gebiete von gemeinschaftlicher Bedeutung und der Europäischen Vogelschutzgebiete im Sinne des BNatSchG erheblich beeinträchtigt werden, ist der Träger der Planung oder Maßnahme darauf hinzuweisen und auf die Angabe zumutbarer Alternativen aufmerksam zu machen (§ 19 c Abs. 3 BNatSchG).

Vom Ergebnis der informellen Vorbesprechung ist eine Niederschrift zu fertigen.



3.2.
Antragskonferenz


3.2.1.
Zweck der Antragskonferenz

Die Antragskonferenz dient dazu, den Untersuchungsrahmen inhaltlich und räumlich festzuschreiben sowie Art und Umfang der nach § 15 Abs. 6 LPlG voraussichtlich beizubringenden Verfahrensunterlagen festzulegen (siehe Anlagen 2, 3, 4 und 8), um den Träger der Planung oder Maßnahme frühzeitig über den Gesamtrahmen des Raumordnungsverfahrens zu informieren. Sie stellt jedoch keine vorgezogene Behandlung und Erörterung von Einwendungen und Stellungnahmen Betroffener dar. In der Antragskonferenz soll besprochen werden, ob zur Klärung bestimmter fachlicher Fragen die Vergabe von Gutachten auf Kosten des Trägers der Planung oder Maßnahme erforderlich ist.



3.2.2.
Unterlagen für die Antragskonferenz

Der Träger der Planung oder Maßnahme erstellt Unterlagen, die für die Durchführung der Antragskonferenz als Diskussionsgrundlage dienen. Entsprechend dem jeweiligen Planungsstand sollen mindestens folgende wesentliche Aussagen enthalten sein:



1.
eine Kurzbeschreibung der Planung oder Maßnahme;


2.
Angaben über Standort, Art und Umfang der Planung oder Maßnahme sowie Flächeninanspruchnahme;


3.
Vorschläge zur inhaltlichen Ausgestaltung und Abgrenzung des voraussichtlichen Untersuchungsrahmens und Untersuchungsraumes für die Raumverträglichkeitsprüfung
a)
eine grobe Darstellung des Ist-Zustandes am Standort,
b)
erkennbare Auswirkungen auf raumordnerische Belange (u. a. Existenz ausgewiesener schutzbedürftiger Bereiche im Regional- und Flächennutzungsplan, mögliche Nutzungskonflikte mit Vorranggebieten, Vorbehaltsgebieten und Eignungsgebieten),
c)
Übersichtskarte in einem geeigneten Maßstab (i. d. R. Maßstab 1 : 200000),
d)
Standortkarten (Maßstab 1 : 25000),
e)
ggf. eine Übersicht über die wichtigsten Standortoder Trassenalternativen;


4.
Vorschläge zum voraussichtlichen sachlichen Untersuchungsrahmen und Untersuchungsraum der Umweltverträglichkeitsprüfung sowie zur Methode der Umweltverträglichkeitsuntersuchung
a)
eine grobe Darstellung des Ist-Zustandes am Standort,
b)
erkennbare Auswirkungen auf die Schutzgüter gemäß § 2 Abs. 1 Satz 2 UVPG,
c)
erkennbare erhebliche Beeinträchtigungen eines Gebietes von gemeinschaftlicher Bedeutung oder eines Europäischen Vogelschutzgebietes gemäß § 19 a Abs. 2 Nr. 2 und Nr. 4 BNatSchG in seinen für die Erhaltungsziele oder den Schutzzweck maßgeblichen Bestandteilen,
d)
mögliche Maßnahmen zur Vermeidung, Verminderung oder zum Ausgleich der Beeinträchtigungen.


Ein in sich geschlossenes Dokument, insbesondere eine Umweltverträglichkeitsstudie, ist in dieser Verfahrensphase noch nicht erforderlich. Weiterhin sollte auf bereits vorliegende Gutachten zum Untersuchungsraum hingewiesen werden.

Nach Vorlage der Unterlagen prüft die Landesplanungsbehörde unverzüglich die Eignung und Vollständigkeit der eingereichten Unterlagen für die Durchführung der Antragskonferenz. Sie kann dabei andere Behörden (z. B. Naturschutzbehörde) hinzuziehen.

Unter Beifügung der Unterlagen lädt die Landesplanungsbehörde mit einer angemessenen Frist, üblicherweise einen Monat, zur Antragskonferenz ein.



3.2.3.
Beteiligte der Antragskonferenz

Die Festlegung des Teilnehmerkreises der Antragskonferenz liegt im Ermessen der Landesplanungsbehörde. Sie beteiligt zumindest die Stellen, für deren Stellungnahmen im Raumordnungsverfahren der Untersuchungsumfang bedeutsam ist. In der Regel können neben dem Träger der Planung oder Maßnahme

1.
unmittelbar betroffene kommunale Behörden,
2.
Verbände (z. B. nach § 29 BNatSchG anerkannte Verbände),
3.
sonstige fachlich betroffene Dienststellen,
4.
externe Sachverständige (z. B. mit der Raum- und Umweltverträglichkeitsuntersuchung beauftragte Ingenieurbüros)
einzeln oder gemeinsam einbezogen werden (§ 5 Satz 2 UVPG).


Die Zulassungsbehörde ist hinzuzuziehen, um im Hinblick auf das nachfolgende Zulassungsverfahren Konsens über Eignung und Gesamtumfang der Verfahrensunterlagen zu erzielen.



3.2.4.
Durchführung der Antragskonferenz

Für die Prüfung der Raumverträglichkeit müssen alle voraussichtlichen raumbedeutsamen überörtlichen Auswirkungen ermittelt und beschrieben werden. Im Interesse des Trägers der Planung oder Maßnahme sollten Standortoder Trassenalternativen erörtert werden, für die in den Verfahrensunterlagen Aussagen über ihre Auswirkungen und Gründe der Auswahl zu treffen sind.

Die Vorbereitung der Umweltverträglichkeitsprüfung erfolgt gemeinschaftlich mit der Vorbereitung des Raumordnungsverfahrens, d. h. im Rahmen der Antragskonferenz zum Raumordnungsverfahren wird ein Scoping gemäß § 5 UVPG durchgeführt. Der Prüfumfang der Umweltverträglichkeit im Raumordnungsverfahren wird einzelfallbezogen zwischen der Landesplanungsbehörde und dem Träger der Planung oder Maßnahme abgestimmt. Es wird ein Anforderungsprofil für die Umweltverträglichkeitsstudie festgelegt, das der Planung oder Maßnahme angepaßt ist.

Aufgabe der Landesplanungsbehörde ist es, eine inhaltliche Abgrenzung zwischen der Prüfung der raumbedeutsamen überörtlichen Auswirkungen der Planung oder Maßnahme auf die Umwelt und der Prüfung der Umweltauswirkungen im nachfolgenden Zulassungsverfahren vorzunehmen, d. h. die Schnittstelle zwischen Umweltverträglichkeitsprüfung im Raumordnungsverfahren und Umweltverträglichkeitsprüfung im Zulassungsverfahren zu bestimmen.

Weiterhin ist einzuschätzen, ob Gebiete nach §§ 19 a, 19 b BNatSchG erheblich beeinträchtigt werden können.



Die Landesplanungsbehörde hat darauf zu achten, daß der Untersuchungsrahmen der Raumverträglichkeitsprüfung, der Umweltverträglichkeitsprüfung und der Einschätzung der Verträglichkeit i. S. des § 19 c BNatSchG nicht mit Prüfinhalten überfrachtet wird, die für die Beurteilung der raumbedeutsamen überörtlichen Auswirkungen der vorgesehenen Planung oder Maßnahme ohne Bedeutung bzw. nicht erforderlich sind. Dabei ist die Entscheidungserheblichkeit zu beachten.

Ein Vorschlag für ein Arbeitsschema zur Ermittlung des voraussichtlichen Untersuchungsrahmens für die Umweltverträglichkeitsprüfung im Raumordnungsverfahren ist in Anlage 3 dargestellt.



3.2.5.
Ergebnis der Antragskonferenz

Im Ergebnis der Antragskonferenz fertigt die Landesplanungsbehörde eine Niederschrift über den erforderlichen Untersuchungsrahmen zur Raumverträglichkeitsstudie und über den voraussichtlichen Untersuchungsrahmen gemäß § 5 UVPG an. Diese Niederschrift ist zugleich das Unterrichtungsschreiben (siehe Anlage 4). Sie dient dem Träger der Planung oder Maßnahme für die Erarbeitung der Verfahrensunterlagen und wird den übrigen Teilnehmern der Antragskonferenz zur Kenntnis gegeben.

Dem Träger der Planung oder Maßnahme wird der sachliche und räumliche Untersuchungsrahmen mitgeteilt und die Art der einzureichenden kartographischen Darstellungen wird festgelegt.

Der Träger der Planung oder Maßnahme muß darauf hingewiesen werden, daß die Unterrichtung keine rechtliche Bindungswirkung entfaltet.



3.3.
Erarbeitung der Verfahrensunterlagen durch den Träger der Planung oder Maßnahme

Die Verfahrensunterlagen müssen so beschaffen sein, daß sie es der Landesplanungsbehörde und den am Raumordnungsverfahren Beteiligten ermöglichen, die Vereinbarkeit der Planung oder Maßnahme mit den Erfordernissen der Raumordnung zu prüfen. Dazu müssen

1.
im Textteil (Raumverträglichkeitsstudie, Umweltverträglichkeitsstudie, Einschätzung der Verträglichkeit i. S. des § 19 c BNatSchG) die Raumauswirkungen der Planung oder Maßnahme vollständig erfaßt und dargelegt werden,
2.
Abbildungen, Tabellen und Graphiken zur Veranschaulichung des Textteils beitragen und leicht lesbar bzw. leicht verständlich sein,
3.
Karten in einem der Größe der Planung oder Maßnahme angemessenen Maßstab (i. d. R. 1 : 25000 oder 1 : 10000) enthalten sein. Einer digitalen Bearbeitung sollte der Vorrang gegeben werden.


Dementsprechend können Grundlagen-, Abwägungs- und Konfliktkarten im selben Maßstab erarbeitet werden.

Art, Umfang und Anzahl der vom Träger der Planung oder Maßnahme beizubringenden Unterlagen können abhängig vom Einzelfall (auch bei gleichartigen Planungen oder Maßnahmen) unterschiedlich sein.

Eine detaillierte Übersicht zur inhaltlichen Gliederung der Verfahrensunterlagen ist den Anlagen 8 und 10 zu entnehmen.



Damit das Raumordnungsverfahren das nachfolgende Zulassungsverfahren (insbesondere Planfeststellungsverfahren) um die Beurteilung raumordnerischer Gesichtspunkte entlastet, muß die aus Sicht der Raumordnung wesentliche Prüfung der Standort- bzw. Trassenalternativen einer Planung oder Maßnahme bereits in dieser Planungsebene geleistet werden. Deshalb wird die in § 15 Abs. 1 Satz 4 LPlG geforderte Prüfung der vom Träger der Planung oder Maßnahme eingeführten Standort- und Trassenalternativen im Rahmen der Raumverträglichkeitsprüfung unter Beachtung des § 6 Abs. 4 Satz 1 UVPG in begründeten Einzelfällen nach Erforderlichkeit und Zumutbarkeit um die Möglichkeit der Prüfung von Varianten erweitert, die von den Beteiligten vor Einleitung des Raumordnungsverfahrens eingebracht wurden.



Alternativenprüfungen im Raumordnungsverfahren sind überörtlich ausgerichtet und nehmen die örtliche Detailprüfung nicht vorweg.

Bei der Bewertung der Standort- oder Trassenalternativen muß nicht für jede zu prüfende Variante in gleicher Detailschärfe auf die Umweltauswirkungen eingegangen werden (siehe UVPVwV Nr. 0.6.1.3.).

Werden im Verlauf des Raumordnungsverfahrens neue Tatsachen bekannt, die weitergehende oder zusätzliche Informationen über die Planung oder Maßnahme und ihre Auswirkungen erfordern, hat die Landesplanungsbehörde die entsprechend notwendigen Unterlagen vom Träger der Planung oder Maßnahme kurzfristig anzufordern.



3.3.1.
Anforderungen an die Raumverträglichkeitsstudie

Für die Raumverträglichkeitsprüfung sind regelmäßig folgende Unterlagen erforderlich:

1.
Raumverträglichkeitsstudie zur Planung oder Maßnahme mit standörtlichen und technischen Angaben sowie raumordnerischen Belangen und ihren Wechselwirkungen in allgemeinverständlicher Form nach Bau und Betriebsphase (siehe Anlage 8),
2.
Übersichtsplan im Maßstab 1 : 200000 oder 1 : 100000,
3.
Lageplan im Maßstab 1 : 25000 oder 1 : 10000.


Die vom Träger der Planung oder Maßnahme vorzulegenden Unterlagen zur Raumverträglichkeitsprüfung sollten bezogen auf den Einzelfall folgende Mindestaussagen umfassen:

1.
Grundlagen,
2.
Darstellung des Ist-Zustandes,
3.
Darlegung der durch die Planung oder Maßnahme bedingten Infrastrukturanforderungen in allen Ablaufphasen,
4.
Analyse der Erfordernisse der Raumordnung,
5.
Abstimmung mit weiteren raumbedeutsamen Planungen und Maßnahmen sowie raumbedeutsamen Auswirkungen,
6.
ggf. Risikoabschätzung,
7.
Konfliktanalyse und Lösungsvorschläge,
8.
Anlagen.


Hinsichtlich der Inhaltsangaben kann sich eine Dopplung mit der Umweltverträglichkeitsstudie ergeben. Diese ist jedoch durch die eigene Wirkung der Umweltverträglichkeitsstudie im nachfolgenden Zulassungsverfahren bedingt und notwendig.



Mindestvorgaben für die Beschreibung räumlicher Auswirkungen einer Planung oder Maßnahme auf die raumordnerischen Belange sind aus Anlage 11 zu entnehmen. In Anlage 8 wird der detaillierte Inhalt für eine Raumverträglichkeitsstudie vorgeschlagen.



3.3.2.
Anforderungen an die Umweltverträglichkeitsstudie

Die Umweltverträglichkeitsstudie im Ergebnis der Umweltverträglichkeitsuntersuchung ist ein Teil der Unterlagen für das Raumordnungsverfahren. Art und Umfang der Unterlagen richten sich nach den Besonderheiten des Einzelfalls. Es ist zu beachten, daß im Raumordnungsverfahren nur die überörtlich raumbedeutsamen Auswirkungen auf die in § 2 Abs. 1 Satz 2 UVPG genannten Schutzgüter ermittelt, beschrieben und bewertet werden können, und zwar entsprechend dem Planungsstand des Vorhabens (§ 16 Abs. 1 UVPG).



Es sind nur die entscheidungserheblichen Unterlagen vollständig vorzulegen, um eine Straffung des Verfahrensablaufes zu erreichen und doppelten Verfahrensaufwand zu vermeiden bzw. die gemäß § 16 Abs. 3 UVPG bezweckte Entlastung des nachfolgenden Zulassungsverfahrens zu ermöglichen.

Entscheidungserheblich sind Unterlagen dann, wenn sie für die Gesamtabwägung in der landesplanerischen Beurteilung auch im Hinblick auf Standort- oder Trassenalternativen Bedeutung haben oder zu Maßgaben führen, die im nachfolgenden Zulassungsverfahren zu berücksichtigen sind. § 6 UVPG unterscheidet zwischen Unterlagen, die in jedem Fall vorzulegen (§ 6 Abs. 3) und solchen, die nur unter bestimmten Voraussetzungen beizubringen sind (§ 6 Abs. 4). Die Erhebung und Darstellung des Ist-Zustandes sind nur soweit erforderlich, wie sie für die Einordnung der möglichen Umweltauswirkungen benötigt werden. Grundsätzlich beschränken sich Forderungen nach Angaben zur Standort- oder Trassenalternativen auf eine Übersicht und die unter Berücksichtigung der Umweltauswirkungen wesentlichen Auswahlgründe für die vom Antragsteller geprüften Alternativen.



In Anlage 9 sind die Mindestanforderungen an die Unterlagen des Trägers der Planung oder Maßnahme gemäß § 6 UVPG für die Umweltverträglichkeitsprüfung im Raumordnungsverfahren dargestellt, die entsprechend dem Einzelfall zu beachten bzw. zu ergänzen sind.

Die Umweltverträglichkeitsuntersuchung im Raumordnungsverfahren unterscheidet sich von der im nachfolgenden Zulassungsverfahren durchzuführenden Detailuntersuchung vor allem in ihrer großräumigen Betrachtungsweise. Da im Raumordnungsverfahren auch die Raumverträglichkeit eines Vorhabens überprüft werden soll, werden die Schutzgüter innerhalb eines größeren Untersuchungsraumes in die Umweltverträglichkeitsuntersuchung einbezogen.



Durch die Ermittlung und Beschreibung der raumbedeutsamen überörtlichen Umweltauswirkungen der Planung oder Maßnahme, die sich auf die vorab festgelegten Wirkungsbereiche erstrecken, ist der entscheidungserhebliche, die Zulassungsentscheidung beeinflussende Sachverhalt für die Erfüllung gesetzlicher Umweltanforderungen festzustellen. Auf die Untersuchung von Schutzgütern und auf die Darstellung möglicher erheblicher Beeinträchtigungen von Gebieten von gemeinschaftlicher Bedeutung oder Europäischer Vogelschutzgebiete ist zu verzichten, wenn von vornherein feststeht, daß die vorgesehene Planung oder Maßnahme keine wesentlichen Auswirkungen auf diese hat. Empfohlen wird jedoch, in der Umweltverträglichkeitsstudie auch die nicht betroffenen Schutzgüter anzusprechen sowie darauf hinzuweisen, daß Gebiete von gemeinschaftlicher Bedeutung oder Europäische Vogelschutzgebiete nicht betroffen sind.



Die Unterlagen der Umweltverträglichkeitsstudie bestehen aus Zeichnungen, Kartierungen, Textdarstellungen, Erläuterungen, Tabellen etc. Der Untersuchungsmaßstab sollte in Abhängigkeit von der vorgesehenen Planung oder Maßnahme sowie den örtlichen und naturräumlichen Gegebenheiten (Art und Umfang des Konfliktpotentials) gewählt werden. Für die Darstellung weiträumiger Zusammenhänge sind Übersichtspläne, z. B. im Maßstab 1 : 10000 oder 1 : 25000, erforderlich.



In der Umweltverträglichkeitsstudie sind die zu erwartenden erheblichen Auswirkungen der Planung oder Maßnahme zu beschreiben. Grundsätzlich ist zu unterscheiden zwischen unmittelbaren, mittelbaren, vorübergehenden und bleibenden Auswirkungen der Planung oder Maßnahme. Die zu erwartenden positiven oder negativen, singulären oder kumulativen Wirkungen sind zu betrachten. Sie sind mit der Schutzwürdigkeit und Empfindlichkeit der Schutzgüter zu verknüpfen und in Textform sowie als Konfliktkarte (schutzgutbezogen und als Zusammenfassung der Umweltauswirkungen) darzustellen. Wichtig ist die Nachvollziehbarkeit der Beschreibung, der Darstellung und der Wertungskriterien der Auswirkungen der Planung oder Maßnahme auf die Schutzgüter gemäß § 2 Abs. 1 UVPG.



Die Beschreibung der Umwelt am Standort und im Einwirkungsbereich soll den vorhandenen und durch verbindliche Planungen angestrebten Zustand der Umwelt in dem Umfang aufzeigen, der zur Feststellung und Beurteilung erheblicher Beeinträchtigungen der Umwelt geeignet ist. Ein Verweis auf etwaige Vorbelastungen dient zugleich dem Träger der Planung oder Maßnahme zur Beweissicherung. Art, Intensität, Ausbreitung und Dauer der voraussichtlichen Raumauswirkungen durch Anlage, Bau, Betrieb und Unterhaltung sowie gegebenenfalls durch die Verknüpfung mit Planungen und Maßnahmen anderer Planungsträger sind zu beschreiben.



Auf der Grundlage der Zustandsbeschreibung ist für die Planung oder Maßnahme und die in Frage kommenden Varianten oder Alternativen eine Prognose der Auswirkungen zu erarbeiten.

Die voraussichtlichen Beeinträchtigungen und Entlastungen sind durch Verknüpfung der Wirkungen der Planung oder Maßnahme mit der Empfindlichkeit des Raumes zu beschreiben.

Es ist zu ermitteln, welche Auswirkungen ausgeglichen oder minimiert werden können und welche Restauswirkungen verbleiben.



Eine allgemeinverständliche Zusammenfassung aller Angaben einschließlich einer Konfliktkarte ist stets durch den Träger der Planung oder Maßnahme beizufügen. Die Ergebnisse der Umweltverträglichkeitsuntersuchung einschließlich möglicher konzeptioneller Vorstellungen zur Vermeidung, Minderung, zum Ausgleich oder Ersatz sind darzulegen. Eine Wertung der Auswirkungen der Planung oder Maßnahme auf die Schutzgüter aus der Sicht des Antragstellers sollte vorgenommen werden.

Anlage 10 enthält einen Gliederungsvorschlag für eine Umweltverträglichkeitsstudie im Raumordnungsverfahren.



4.

Der Zeitraum für den Abschluß eines Raumordnungsverfahrens beträgt gemäß § 15 Abs. 9 LPlG höchstens sechs Monate nach Vorliegen der vollständigen Unterlagen.

Kommt die Landesplanungsbehörde während des Raumordnungsverfahrens auf Grund eigener Erkenntnisse, von Stellungnahmen der beteiligten Behörden oder von Äußerungen aus der Öffentlichkeit zu dem Ergebnis, daß ein anderer als der vom Träger der Planung oder Maßnahme vorgesehene Standort bzw. eine andere Trasse für die Realisierung der Planung oder Maßnahme aus raumordnerischen Erwägungen deutlich besser geeignet erscheint, sollte sie eine entsprechende Änderung gegenüber dem Träger der Planung oder Maßnahme anregen und, dessen Einverständnis vorausgesetzt, das laufende Raumordnungsverfahren einstellen sowie die Verfahrensbeteiligten hiervon unterrichten. Sodann leitet die Landesplanungsbehörde ein neues Raumordnungsverfahren für die aus ihrer Sicht besser geeignete Alternative nach Einreichung der ergänzten Unterlagen durch den Träger der Planung oder Maßnahme ein.



Beharrt der Träger der Planung oder Maßnahme hingegen trotz eines solchen Hinweises auf seinem bisherigen Konzept, kann die Landesplanungsbehörde den ursprünglich geprüften Standort bzw. die ursprünglich geprüfte Trasse unter Berücksichtigung ihrer Überlegung zur besser geeigneten Alternative in der Regel nur negativ bewerten und das Raumordnungsverfahren mit einer entsprechenden Feststellung abschließen.

Wenn der Planungsträger selbst während des laufenden Raumordnungsverfahrens Abstand von der angezeigten Planung oder Maßnahme nimmt, stellt die Landesplanungsbehörde das Raumordnungsverfahren ein und unterrichtet die am Verfahren Beteiligten sowie ggf. die Öffentlichkeit hierüber.



4.1.
Einleitung des Raumordnungsverfahrens

Gemäß § 15 Abs. 3 LPlG kann ein Raumordnungsverfahren von Amts wegen oder auf Antrag eingeleitet werden. Ein Anspruch auf Einleitung eines Raumordnungsverfahrens besteht nicht. Die Entscheidung über die Einleitung liegt im Ermessen der Landesplanungsbehörde.



Ein Raumordnungsverfahren kann von Amts wegen eingeleitet werden, wenn

1.
bei überörtlich raumbedeutsamen Planungen oder Maßnahmen kein entsprechender Antrag auf Einleitung gestellt wird oder
2.
zwischen dem Abschluß eines Raumordnungsverfahrens und der Einleitung des nachfolgenden Zulassungsverfahrens mehr als fünf Jahre vergangen sind.


Ein Raumordnungsverfahren kann auch auf schriftlichen Antrag des Trägers der Planung oder Maßnahme und/oder nach Vorlage der dem Planungsstand entsprechenden Verfahrensunterlagen bei der Landesplanungsbehörde eingeleitet werden.

Die Landesplanungsbehörde prüft unverzüglich auf der Grundlage der Ergebnisse der Antragskonferenz die Vollständigkeit der eingereichten Verfahrensunterlagen und fertigt darüber ein Prüfprotokoll.

Nach positivem Abschluß der Antragsprüfung, nach Erhalt eventuell nachgeforderter Unterlagen oder auf Bestreben des Trägers der Planung oder Maßnahme, leitet die Landesplanungsbehörde das Raumordnungsverfahren gleichzeitig mit der Unterrichtung des Trägers der Planung oder Maßnahme sowie der am Verfahren Beteiligten förmlich ein (siehe Anlage 5).



4.2.
Beteiligungsverfahren

Mit dem Schreiben zur Einleitung des Raumordnungsverfahrens übersendet die Landesplanungsbehörde den Beteiligten die Verfahrensunterlagen und fordert diese auf, innerhalb von einem Monat Anregungen, Hinweise oder Bedenken in einer schriftlichen Stellungnahme mitzuteilen (siehe Anlage 5). Für kommunale Gebietskörperschaften wird eine Frist von maximal drei Monaten gewährt. Bei der Übersendung der Verfahrensunterlagen sind die Belange der Geheimhaltung (analog § 30 VwVfG) zu beachten.



Bei größeren Planungen oder Maßnahmen besteht die Möglichkeit, den Verfahrensbeteiligten je nach Betroffenheit unterschiedlich umfangreiche Verfahrensunterlagen zu übersenden, wenn gleichzeitig der Hinweis gegeben wird, daß die vollständigen Unterlagen bei der Landesplanungsbehörde und den betroffenen Gemeinden eingesehen werden können. Die Beteiligten sollten sich in ihrer Stellungnahme – ausgehend von der Planungsebene – auf die sie jeweils berührenden Aspekte und Auswirkungen der Planung oder Maßnahme beschränken. Sie sollten ihr Fachwissen und weiterführende Überlegungen einbringen, um der Landesplanungsbehörde einen umfassenden Überblick über Ausgangslage, Auswirkungen der Planung oder Maßnahme, zu berücksichtigende Belange der Beteiligten und sich abzeichnende Problembereiche zu ermöglichen.



Die Landesplanungsbehörde bestimmt, entsprechend den Gegebenheiten des Einzelfalles, die zu beteiligenden öffentlichen Stellen und die sonstigen fachlichen Stellen (§ 15 Abs. 7 LPlG). Kriterium für die Auswahl ist, daß die zu Beteiligenden durch die Planung oder Maßnahme berührt werden könnten. Dies bedeutet insoweit mehr als die unmittelbare räumliche Betroffenheit und schließt daher auch das Betroffensein durch die Auswirkungen und Wechselwirkungen der Planung oder Maßnahme sowie deren Möglichkeit hiervon ein.



Bei der Auswahl der am Raumordnungsverfahren gemäß § 15 Abs. 7 LPlG zu beteiligenden öffentlichen Stellen sowie sonstigen fachlich berührten Stellen orientiert sich die Landesplanungsbehörde an den Hinweisen zur Beteiligung der Träger öffentlicher Belange im Verfahren für Flächennutzungspläne und Satzungen nach dem Baugesetzbuch (siehe Abschnitt II Doppelbuchstabe hh)) und bezieht dabei in jedem Falle die nach § 7 UVPG zu beteiligenden Behörden ein.



Die Landesplanungsbehörde beteiligt unter Berücksichtigung der zu beurteilenden Planung oder Maßnahme:



1.
öffentliche Stellen
a)
Behörden des Bundes,
b)
Behörden des Landes,
c)
Behörden der Nachbarländer,
d)
kommunale Gebietskörperschaften,
e)
öffentliche Planungsträger,
f)
private Planungsträger, die bestimmte öffentliche Aufgaben wahrnehmen (§ 4 Abs. 3 ROG),
g)
bundesunmittelbare und der Aufsicht eines Landes unterstehende Körperschaften,
h)
Anstalten und Stiftungen des öffentlichen Rechts;


2.
sonstige fachlich berührte Stellen (in der Regel Dritte)
a)
Privatunternehmen,
b)
Verbände, darunter anerkannte Naturschutzverbände (siehe Abschnitt II Doppelbuchstabe ff) und Doppelbuchstabe gg)) sowie privatrechtlich organisierte und eingetragene Vereine und Verbände.


Bei Planungen und Maßnahmen, die in ihren Auswirkungen benachbarte Bundesländer berühren, ist das Beteiligungsverfahren von der zuständigen oberen Landesplanungsbehörde über die oberste Landesplanungsbehörde zu regeln.

In der Stellungnahme der unteren Naturschutzbehörde sind auch die Belange des § 19 c BNatSchG anzusprechen. Das betrifft insbesondere eine fachliche Beurteilung einer möglicherweise erheblichen Beeinträchtigung eines nach § 19 c Abs. 1 BNatSchG genannten Gebietes in seinen für die Erhaltung oder den Schutzzweck maßgeblichen Bestandteilen.



Nach § 15 Abs. 8 LPlG ist die Öffentlichkeit einzubeziehen (§ 9 Abs. 3 UVPG). Damit werden Transparenz und Akzeptanz der Planung oder Maßnahme verbessert. Die Einbeziehung der Öffentlichkeit kann auch einen Beitrag zur Bewertung bestimmter Auswirkungen der Planung oder Maßnahme leisten. Die Einbeziehung der Öffentlichkeit erfolgt regelmäßig über die Gemeinden. Um § 9 Abs. 3 Satz 1 Nr. 1 bis 4 UVPG zu entsprechen, ist hierbei wie folgt vorzugehen:



1.
Einleitung des Raumordnungsverfahrens
Die förmliche Einleitung des Raumordnungsverfahrens erfolgt durch ein Schreiben der Landesplanungsbehörde, das allen Beteiligten zugesandt wird.
Im Einleitungsschreiben soll rechtzeitig auf Ort und Dauer der öffentlichen Auslegung der Verfahrensunterlagen sowie auf den Zeitraum, innerhalb dessen Bedenken, Hinweise und Anregungen zur Planung oder Maßnahme vorgebracht werden können, hingewiesen werden (siehe Anlage 5).
Mit der Einleitung des Raumordnungsverfahrens durch die Landesplanungsbehörde wird die Planung oder Maßnahme zugleich auf Kosten des Trägers der Planung oder Maßnahme öffentlich bekannt gemacht, z. B. Veröffentlichung im Amtsblatt der zuständigen Behörde und/oder in Tageszeitungen, die im zu betrachtenden Gebiet verbreitet werden (siehe Anlagen 6 und 7).


2.
Auslegung
Die Verfahrensunterlagen sind in den betroffenen Gemeinden auszulegen (siehe auch § 9 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 UVPG). Hierbei ist in der Regel eine Frist von einem Monat angemessen.
Die betroffenen Gemeinden haben die Auslegung mindestens eine Woche vorher ortsüblich bekanntzumachen (z. B. in Tageszeitung, durch Aushang). In der Bekanntmachung ist auf Ort und Zeitraum der Auslegung sowie auf Fristen für das Vorbringen von Bedenken, Hinweisen und Anregungen hinzuweisen.


3.
Vorbringen von Bedenken, Hinweisen und Anregungen
Jedermann, ob er betroffen ist oder sonstige Voraussetzungen erfüllt (z. B. fachliche Legitimation), kann bis zwei Wochen nach Ablauf der Auslegungsfrist bei der betroffenen Gemeinde schriftlich oder zur Niederschrift Bedenken, Hinweise oder Anregungen zu der Planung oder Maßnahme vorbringen (Anhörung).


4.
Weiterleitung der Bedenken, Hinweise und Anregungen sowie Bekanntgabe des Ergebnisses des Raumordnungsverfahrens
Die Bedenken, Hinweise und Anregungen werden in der Stellungnahme der Gemeinde berücksichtigt bzw. mit einem Votum versehen und der Landesplanungsbehörde übermittelt. Die Landesplanungsbehörde berücksichtigt die Stellungnahme der Gemeinde im Abwägungsprozeß der Raum- bzw. Umweltverträglichkeitsprüfung.
Über die Art und Weise, wie die Öffentlichkeit über das Ergebnis des Abwägungsprozesses (landesplanerische Beurteilung) informiert wird, besteht ein Ermesspensspielraum (z. B. Veröffentlichung der Entscheidung im Amtsblatt und/oder in Tageszeitungen im Auswirkungsbereich der Planung oder Maßnahme; ortsübliche Bekanntmachung in den Gemeinden, in denen sich die Planung oder Maßnahme ausschließlich auswirkt). Zweckmäßig dürfte es sein, die Entscheidung in derselben Weise zur Kenntnis zu geben, in der die Landesplanungsbehörde zuvor über die Planung oder Maßnahme informiert hat (siehe Anlage 5).


4.3.
Erörterung im Raumordnungsverfahren

Die Landesplanungsbehörde kann – soweit es für die Bewertung und Abwägung erforderlich ist – die Stellungnahmen mit den am Raumordnungsverfahren Beteiligten erörtern. Dem Träger der Planung oder Maßnahme sind rechtzeitig die Kopien der eingegangenen Stellungnahmen zu übersenden. Im Einzelfall kann es sinnvoll sein, daß der Träger der Planung oder Maßnahme bereits vor der Erörterung eine Erwiderung zuarbeitet. Den Verfahrensbeteiligten sind als Anlage zum Einladungsschreiben alle wesentlichen Inhalte in geeigneter Form, z. B. Tabelle mit ergänzenden Hinweisen (ohne Vorwegnahme von Abwägungsergebnissen), zur Kenntnis zu geben.

Die Erörterung ist ein behördeninterner Termin. Der Teilnehmerkreis soll den am Raumordnungsverfahren Beteiligten entsprechen. Eine Vorwegnahme von Bewertungs- und Abwägungsergebnissen erfolgt nicht. Es kann sich als zweckmäßig erweisen, daß durch die Landesplanungsbehörde eine Pressemitteilung herausgegeben wird. Die Landesplanungsbehörde hat das Ergebnis des Erörterungstermins aktenkundig zu machen und den Beteiligten in geeigneter Weise die Möglichkeit zur Kenntnisnahme zu geben (z. B. Protokoll).



5.

Das Raumordnungsverfahren ist mit der landesplanerischen Beurteilung abzuschließen.



5.1.
Beschreibung der raumbedeutsamen Auswirkungen einschließlich der raumbedeutsamen Umweltauswirkungen


5.1.1.
Zusammenfassende Darstellung der raumbedeutsamen Auswirkungen der Planung oder Maßnahme


Nach Abschluß des Beteiligungsverfahrens erarbeitet die Landesplanungsbehörde auf der Basis der Raumverträglichkeitsstudie und unter Einbeziehung der abgegebenen Stellungnahmen, einschließlich der Erkenntnisse des Erörterungstermins, eine zusammenfassende Darstellung der raumbedeutsamen Auswirkungen der Planung oder Maßnahme. Darin sollen der Ist-Zustand und die Auswirkungen der Planung oder Maßnahme im zu betrachtenden Raum auf nachfolgend genannte Faktoren (Raumverträglichkeit) einschließlich ihrer Wechselwirkungen beschrieben sein. Die wichtigsten Faktoren, ohne die unter Abschnitt IV Nr. 5.2. genannten, sind hierbei:



1.
Lage im Raum
a)
zentralörtliche Struktur
b)
Strukturraum (Verdichtungsraum, ländlicher Raum)
c)
Zusammenarbeit von Gemeinden (z. B. Städtenetze),


2.
Bauleitplanung
Stand und Aussagen zum vorbereitenden Bauleitplan (Flächennutzungsplan) und verbindlichen Bauleitplan (Bebauungsplan),


3.
Wirtschaft
(z. B. regionale und sektorale Wirtschaftsstruktur; Wirtschaftskonzepte),


4.
Verkehr
(z. B. Transeuropäische, nationale und regionale Verkehrsnetze; ÖPNV; Verkehrsarten; Güterverkehrszentren; Verlagerungseffekte),


5.
Land- und Forstwirtschaft
(z. B. Flächeninanspruchnahme, Nutzungsänderung, wirtschaftliche Betroffenheit),


6.
Wasserwirtschaft,


7.
Erholung und Tourismus,


8.
Fachpläne zur sozialen und technischen Infrastruktur

(z. B. Einzelhandelskonzepte, Abfallwirtschaftspläne etc.),



9.
leitungsgebundene Energieversorgung

(z. B. Hochspannungsleitungen, Gashochdruckleitungen),



10.
Informationstechnik und Telekommunikation

(z. B. Netze, Richtfunkstrecken),



11.
Denkmale

(z. B. Baudenkmale, Bodendenkmale, Kulturdenkmale),



12.
Bergbau,


13.
sonstige Restriktionen

(z. B. militärische Anlagen, Zivilverteidigung, Katastrophenschutz).

Hierbei sind auch die Regionalen Entwicklungskonzepte und Regionalen Aktionsprogramme als wesentliche informelle planerische Instrumente zu berücksichtigen.



5.1.2.
Zusammenfassende Darstellung der raumbedeutsamen Auswirkungen auf die Umwelt

Die vom Träger der Planung oder Maßnahme vorgelegten Unterlagen (Umweltverträglichkeitsstudie, Untersuchungsergebnisse der Verträglichkeit i. S. des § 19 c BNatSchG), die abgegebenen Stellungnahmen der betroffenen Behörden (§ 7 UVPG) einschließlich des in diesem Rahmen vom öffentlichen Gesundheitsdienst abgegebenen Ergebnisses der Gesundheitsverträglichkeitsprüfung (§ 6 GDG LSA) sowie die Äußerungen der einbezogenen Öffentlichkeit (§ 9 Abs. 3 UVPG) über die Gemeinden liefern die notwendigen Informationen für die behördliche Umweltverträglichkeitsprüfung und die Einschätzung der Verträglichkeit i. S. des § 19 c BNatSchG im Raumordnungsverfahren.



Die Landesplanungsbehörde systematisiert und beschreibt auf dieser Grundlage in einer zusammenfassenden Darstellung, die sich an den Vorgaben des § 11 UVPG orientiert, die entscheidungserheblichen voraussichtlichen raumbedeutsamen überörtlichen Auswirkungen der Planung oder Maßnahme auf die in § 2 Abs. 1 Satz 2 UVPG genannten Schutzgüter, ohne Bezug auf rechtliche Bewertungskriterien. Die Ergebnisse eigener Ermittlungen sind einzubeziehen. Diese Risikoabschätzung, die Grundlage für die Bewertung nach § 12 UVPG ist, darf keine umweltfremden Belange enthalten. Sie ist lediglich eine verbal beschreibende Zusammenstellung der Umweltauswirkungen und muß sich auf die Frage der Eintrittswahrscheinlichkeit bestimmter entscheidungserheblicher Umweltbelastungen, die Beschreibung des vorhandenen Zustandes der Umwelt sowie nach Schutzmaßnahmen voraussichtlich verbleibende Restbelastungen beschränken. Eine Abwägung mit anderen wie z. B. wirtschaftlichen und sozialen Belangen darf erst auf der Stufe der raumordnerischen Gesamtabwägung (siehe Abschnitt IV Nr. 5.2.3.) stattfinden.



Raumbedeutsame Planungen und Maßnahmen können standortbezogen möglicherweise Gebiete, die nach §§ 19 a, 19 b BNatSchG besonders geschützt sind, erheblich beeinträchtigen. In solchen Fällen ist im Zulassungsverfahren eine Prüfung auf Verträglichkeit mit den für dieses Gebiet festgelegten Erhaltungszielen nach § 19 c BNatSchG erforderlich (siehe Abschnitt II Doppelbuchstabe dd).

Die zu erwartenden raumbedeutsamen überörtlichen Auswirkungen auf die Schutzgüter sind getrennt von den übrigen raumbedeutsamen Auswirkungen des Vorhabens (Raumverträglichkeitsstudie) darzustellen.



Im nachfolgenden Zulassungsverfahren kann auf die Darstellung der Umweltauswirkungen zurückgegriffen werden, um das Verfahren zu entlasten (siehe auch Abschnitt VII Nr. 1.1.). Die abgegebenen Stellungnahmen sollen zusammengefaßt in einem Anhang beigefügt werden, da sie für das Zulassungsverfahren noch von Bedeutung sein können.

Die zusammenfassende Darstellung ist ein einheitliches behördeninternes Schriftstück. Auf eine allgemeine Darstellung ist zu achten.

Anlage 12 enthält einen Vorschlag für einen Orientierungsrahmen für die zusammenfassende Darstellung der raumbedeutsamen überörtlichen Umweltauswirkungen gemäß § 11 UVPG.



5.2.
Bewertung der raumbedeutsamen Auswirkungen einschließlich der raumbedeutsamen Umweltauswirkungen

Die Landesplanungsbehörde bewertet parallel zur Bewertung der sonstigen raumbedeutsamen Auswirkungen der Planung oder Maßnahme die überörtlichen Umweltauswirkungen.

Die Bewertung der zu erwartenden erheblichen raumbedeutsamen überörtlichen Umweltauswirkungen der Planung oder Maßnahme nach § 12 UVPG auf der Grundlage der zusammenfassenden Darstellung gemäß § 11 UVPG bildet den Abschluß der Umweltverträglichkeitsprüfung im Raumordnungsverfahren und dient der Entscheidungsvorbereitung über deren Zulässigkeit. Gegenstand des Bewertens ist die subjektive Einstufung der ermittelten und beschriebenen Umweltfolgen, also die Einschätzung der Erheblichkeit i. S. von Aussagen zur Vernachlässigbarkeit, Tolerierbarkeit etc. Somit besteht das Bewertungsergebnis nicht aus einer Aussage über Art, Ausmaß und Eintrittswahrscheinlichkeit von Umwelt- und Gesundheitsbeeinträchtigungen. Diese wurde bereits in der zusammenfassenden Darstellung gemäß § 11 UVPG getroffen.



5.2.1.
Raumverträglichkeitsprüfung

Auf der Grundlage der Darstellung der raumbedeutsamen Auswirkungen der Planung oder Maßnahme erfolgt eine Bewertung der Raumverträglichkeit durch die Landesplanungsbehörde. Hierbei können unter Nr. 5.1.1. genannte Faktoren durch konkrete metrische oder temporäre Meßgrößen, durch Flächen- oder Volumenangaben (z. B. km, m, h, Jahresangabe, Anzahl, Häufigkeit, m2, m3) herangezogen werden.



Als Maßstäbe gelten die Ziele, Grundsätze und sonstigen Erfordernisse der Raumordnung

1.
im ROG,
2.
im Landesentwicklungsplan,
3.
in den Regionalen Entwicklungsplänen (-programmen) und
4.
den Regionalen Teilgebietsentwicklungsplänen (-programmen).


Dies kann auch für Raumordnungspläne benachbarter Bundesländer zutreffen, wobei eine andere Rechtswirkung (ggf. nur Berücksichtigungsgebot) sich ergeben kann.

Wenn durch die Planung und Maßnahme ein Verfahren nach § 11 LPlG (Untersagung raumordnungswidriger Planungen und Maßnahmen) berührt ist, sind auch derartige Erkenntnisse bei der Bewertung zu berücksichtigen.



Die Bewertung erfolgt grundsätzlich in den Verfahrensschritten

1.
Einzelbewertung der Wirkfaktoren,
2.
zusammenfassende Gesamtbewertung der Wirkfaktoren

auf der Grundlage der Mindestvorgaben nach Anlage 11.



Das Ergebnis der Bewertung der Raumverträglichkeit geht in die landesplanerische Gesamtabwägung ein.



5.2.2.
Umweltverträglichkeitsprüfung

Maßstäbe für die Bewertung der Umweltverträglichkeit der betreffenden Planung oder Maßnahme sind im wesentlichen die umweltbezogenen Erfordernisse der Raumordnung sowie die raumbedeutsamen umweltbezogenen gesetzlichen Zulässigkeitsvoraussetzungen, die im Hinblick auf eine wirksame Umweltvorsorge anzuwenden sind. Dazu gehören u. a. die

1.
in Entwicklungsplänen festgelegten umweltbezogenen Grundsätze und Ziele der Raumordnung (z. B. Vorrang- und Vorbehaltsgebiete für die Rohstoffgewinnung, Wassergewinnung, Hochwasserschutz, Entwicklungsziele für Natur- und Landschaft, Schutz des Bodens),
2.
Ergebnisse von Umweltverträglichkeitsprüfungen in anderen Raumordnungsverfahren, soweit sich diese auf die vorgesehene Planung oder Maßnahme auswirken,
3.
die Grundsätze nach § 2 Abs. 2 ROG.


Weitere Bewertungsmaßstäbe sind

1.
Beeinträchtigungen ausgewiesener Schutzgebiete (z. B. Europäische Schutzgebiete, Schutzgebiete nach Bundes- bzw. Landesrecht),
2.
Aussagen umweltbezogener Fachpläne z. B. des Bodenschutz-, Abfall-, Wasser- und Immissionsschutzrechts.


Soweit die umweltbezogenen Bewertungsmaßstäbe des nachfolgenden Zulassungsverfahrens für eine überörtliche Bewertung der Umweltauswirkungen der Planung oder Maßnahme hilfreich sein können, ist es ratsam, diese ergänzend für die Umweltverträglichkeitsprüfung im Raumordnungsverfahren heranzuziehen.



Die Bewertung der raumbedeutsamen überörtlichen Umweltauswirkungen der Planung oder Maßnahme erfolgt in zwei voneinander getrennten Schritten.



In einem ersten Schritt wird gesondert für jedes Schutzgut nach § 2 Abs. 1 Satz 2 UVPG eine Bewertung vorgenommen. Dazu haben die entsprechenden Fachressorts die erforderlichen fachlichen Stellungnahmen (einzelfachliche Bewertungen) vorzubereiten. Die Ergebnisse der Einzelbewertungen sind kurz und nachvollziehbar darzustellen. Im Anschluß an diese auf die einzelnen Umweltbelange bezogene Bewertung wird in einem weiteren Schritt eine darüber hinausgehende Gesamtbewertung aller Umweltauswirkungen durch die Landesplanungsbehörde vorgenommen, um gemäß § 2 Abs. 1 Satz 2 UVPG eine Bewertung der Wechselwirkungen zu ermöglichen. Die Bewertung wird in der Regel die Auswirkungen auf die einzelnen Schutzgüter nicht gegeneinander aufrechnen. Sie darf auch nicht zu einer Abwägung mit anderen öffentlichen oder privaten Belangen führen. Das Ergebnis der Bewertung ist die Umweltverträglichkeitsprüfung. Die vom Antragsteller durchzuführende Umweltverträglichkeitsuntersuchung und anzufertigende Umweltverträglichkeitsstudie sowie die vom öffentlichen Gesundheitsdienst durchgeführte Gesundheitsverträglichkeitsprüfung nach § 6 GDG LSA sind wesentliche Bestandteile dieser behördlichen Umweltverträglichkeitsprüfung.



Im Ergebnis der Umweltverträglichkeitsprüfung des Raumordnungsverfahrens ist eine Aussage zu treffen, ob eine erhebliche Beeinträchtigung von Gebieten i. S. des § 19 c Abs. 1 BNatSchG vorliegen kann oder nicht.



Gemäß dem Planungsstand kann diese Einschätzung der Verträglichkeit zu folgenden Ergebnissen führen:

1.
Kommt die Landesplanungsbehörde trotz des Erkennens, daß eine erhebliche Beeinträchtigung i. S. des § 19 c Abs. 2 BNatSchG vorliegen kann, zu einer positiven Gesamtbeurteilung der Planung oder Maßnahme, so ist in der landesplanerischen Beurteilung auf die erforderlichen Schritte nach § 19 c Abs. 3 bis 5 BNatSchG hinzuweisen.
2.
Ist nach Auffassung der Landesplanungsbehörde keine erhebliche Beeinträchtigung i. S. des § 19 c Abs. 2 BNatSchG zu erwarten, ist dies in der landesplanerischen Beurteilung festzustellen und zu begründen.


Das Ergebnis der Prüfung der raumbedeutsamen überörtlichen Auswirkungen auf die Umwelt geht in die abschließende raumordnerische Gesamtabwägung mit den überfachlichen Zielen und Erfordernissen sowie den nicht umweltbezogenen fachlichen Belangen ein (siehe Abschnitt IV Nr. 5.2.3.), wobei es keinen Vorrang vor anderen Abwägungsbelangen hat.



In der landesplanerischen Beurteilung wird das Ergebnis der Umweltverträglichkeitsprüfung im Raumordnungsverfahren gesondert dargestellt und soll im nachfolgen den Zulassungsverfahren abgerufen werden können.



Die Bewertung der raumbedeutsamen überörtlichen Umweltauswirkungen ist nur ein vorgezogener und unselbständiger Teil der Umweltverträglichkeitsprüfung des Zulassungsverfahrens und kann deshalb nicht mit einer eigenständigen Gesamtbewertung der raumbedeutsamen Auswirkungen des Vorhabens auf die Umwelt abschließen. Die medienübergreifende Bewertung aller, und damit auch der im Raumordnungsverfahren geprüften Umweltauswirkungen, ist gemäß § 12 UVPG Aufgabe der zuständigen Behörde im Zulassungsverfahren.



5.2.3.
Raumordnerische Gesamtabwägung

Der planerische Entscheidungsprozeß zur Raumverträglichkeitsprüfung und zur Umweltverträglichkeitsprüfung ist die Abwägung. Sie stellt eine Einzelfallprüfung dar. Raumansprüche werden in übergeordneter Gesamtschau, also nicht unter fachspezifischen Gesichtspunkten, gewichtet. Berührte Planungen sind gegeneinander und untereinander abzuwägen. Gerade im Raumordnungsverfahren besteht im Gegensatz zum Zulassungsverfahren ein erweiterter Ermessensspielraum. Für die Gewichtung der Belange bei der Abwägung bieten die Erfordernisse der Raumordnung geeignete Maßstäbe. § 12 UVPG regelt die materiell-rechtliche Wirkung der Umweltverträglichkeitsprüfung. Das Ergebnis der Umweltverträglichkeitsprüfung ist bei der Entscheidung über die Zulässigkeit eines Vorhabens im Hinblick auf eine wirksame Umweltvorsorge inhaltlich nach Maßgabe der geltenden Gesetze zu berücksichtigen. Die Verpflichtung, die Ergebnisse der Umweltverträglichkeitsprüfung bei der Entscheidung in Abwägung mit anderen Belangen zu berücksichtigen, verknüpft die Umweltverträglichkeitsprüfung rechtlich mit der Entscheidung über die Raumverträglichkeit der betreffenden Planung oder Maßnahme. Dabei ist auch zu begründen, wie weit das Ergebnis der Umweltverträglichkeitsprüfung bei der Entscheidung berücksichtigt wurde.



5.3.
Darstellung der landesplanerischen Beurteilung


5.3.1.
Ergebnis des Raumordnungsverfahrens mit Umweltverträglichkeitsprüfung

Das Resultat der Abwägung ist die Feststellung der Vereinbarkeit oder Unvereinbarkeit der Planung oder Maßnahme mit den Erfordernissen der Raumordnung. Die Feststellung ist der wichtigste Bestandteil der landesplanerischen Beurteilung.



Bei positivem Verfahrensabschluß wird die Feststellung in der Regel durch Maßgaben ergänzt, welche darlegen, unter welchen Voraussetzungen die Feststellung der Vereinbarkeit erzielt wird. Es sind bei den Maßgaben auch die in Betracht kommenden Maßnahmen für eine Vermeidung oder Minderung, für einen Ausgleich oder Ersatz der Auswirkungen der Planung oder Maßnahme zu nennen (z. B. Auflagen von Immissions-, Boden-, Wasser-, Natur- und Landschaftsschutzmaßnahmen oder von Aufforstungsmaßnahmen).



Zum Ergebnis des Raumordnungsverfahrens gehört auch die Feststellung, inwieweit die Planung oder Maßnahme mit konkurrierenden Planungen und Maßnahmen abgestimmt werden konnte.

Wird in der Einschätzung der Verträglichkeit i. S. des § 19 c BNatSchG erkennbar, daß die Planung der Maßnahme im nachfolgenden Zulassungsverfahren unzulässig sein könnte, ist in einer gesonderten Maßgabe darauf hinzuweisen.



Bestandteil der landesplanerischen Beurteilung sind weiterhin die Darstellung des Sachverhalts, die Begründung und die kartographische Darstellung, in der Regel als Übersichtskarte (Maßstab 1 : 300000 oder 1 : 200000), Konfliktkarten (Maßstab 1 : 25000) und Detailkarten als Standortkarten (Maßstab 1 : 25000 bis 1 : 10000) mit Darstellung landesplanerisch festgestellter Standorte oder Trassen. In der landesplanerischen Beurteilung soll auf die Geltungsdauer hingewiesen werden. Grundvoraussetzung ist, daß sich die planerische Grundlage nicht wesentlich ändert. Die landesplanerische Beurteilung kann in ihrer Geltung dazu befristet werden. Erfahrungsgemäß soll die Geltungsdauer maximal fünf Jahre betragen, wenn der Träger der Planung oder Maßnahme keinen Verlängerungsantrag stellt.

Abschließend soll auf die Bindungswirkung und auf die Wirkung der landesplanerischen Beurteilung auf das Zulassungsverfahren hingewiesen werden (Abschnitt VII Nrn. 1.1. und 1.2.).



5.3.2.
Sachverhalt

Bestandteil der Darstellung des Sachverhalts sind im wesentlichen folgende Darlegungen:

1.
Rechtsgrundlagen und Rechtscharakter des Raumordnungsverfahrens,
2.
Bedeutung und Erfordernis der Planung oder Maßnahme,
3.
Träger der Planung oder Maßnahme und beteiligte Ingenieurbüros,
4.
Gegenstand des Verfahrens,
5.
Beschreibung des Verfahrensablaufs,
6.
Beschreibung der Planung oder Maßnahme einschließlich der Varianten bzw. der Nullvariante,
7.
Räumliche Betroffenheit,
8.
Ermittlung und Beschreibung der räumlichen Auswirkungen (einschließlich des Ist-Zustandes, zusammenfassende Darstellung der raumbedeutsamen Auswirkungen).


Als Bestandteil der landesplanerischen Beurteilung zum Abschluß des Raumordnungsverfahrens ist auch das Ergebnis der Prüfung der raumbedeutsamen überörtlichen Auswirkungen der Planung oder Maßnahme auf die in § 2 Abs. 1 UVPG genannten Schutzgüter (siehe § 15 Abs. 9 Satz 1 LPlG) und der Einschätzung der Verträglichkeit i. S. des § 19 c BNatSchG aufzuzeigen. Das Ergebnis der Umweltverträglichkeitsprüfung im Raumordnungsverfahren ist als eigenständiger Belang im Abwägungsprozeß darzustellen und zu berücksichtigen.



Ein Verweis auf folgende Unterlagen, welche im nachfolgenden Verfahren zu berücksichtigen sind, ist beizufügen:

1.
Umweltverträglichkeitsstudie,
2.
zusammenfassende Darstellung der raumbedeutsamen überörtlichen Umweltauswirkungen der Planung oder Maßnahme gemäß § 11 UVPG,
3.
Bewertung der raumbedeutsamen überörtlichen Umweltauswirkungen der Planung oder Maßnahme gemäß § 12 UVPG.


5.3.3.
Begründung

Das Verfahrensergebnis und seine Voraussetzungen sind unter Darlegung der Erfordernisse der Raumordnung sowie der wesentlichen Abstimmungs-, Auswertungs- und Abwägungsergebnisse des Raumordnungsverfahrens in der landesplanerischen Beurteilung zu begründen.

Die Begründung umfaßt im Einzelnen die

1.
Bewertung der Auswirkungen im Hinblick auf die Erfordernisse der Raumordnung (Ziele und Grundsätze der Raumordnung),
2.
Bewertung der Auswirkungen im Hinblick auf andere raumbedeutsame Planungen oder Maßnahmen,
3.
Bewertung der raumbedeutsamen überörtlichen Umweltauswirkungen gemäß § 12 UVPG einschließlich der Auswirkungen auf die Gebiete nach §§ 19 a, 19 b BNatSchG,
4.
Maßgaben.


6.

Über das Ergebnis des Raumordnungsverfahrens sind der Träger der Planung oder Maßnahme und die Verfahrensbeteiligten zu unterrichten. Dies geschieht durch Übersendung der vollständigen landesplanerischen Beurteilung.

Die Öffentlichkeit ist durch Pressemitteilung bzw./und öffentliche Bekanntmachung in den betroffenen Gemeinden über das Ergebnis des Raumordnungsverfahrens, insbesondere über das Feststellungsergebnis einschließlich der Maßgaben, zu informieren.

In der Bekanntmachung ist darauf hinzuweisen, daß die vollständige landesplanerische Beurteilung in der Landesplanungsbehörde, den betroffenen unteren Landesplanungsbehörden und Gemeinden in einem Zeitraum von einem Monat zur Einsicht ausliegt.

Weitere Hinweise zur Information der Öffentlichkeit sind dem Abschnitt IV Nr. 4.2. zu entnehmen. Ein Musterschreiben einer Presseinformation ist in Anlage 7 dargestellt.



V.


1.

Landesplanerische Stellungnahmen haben den Zweck festzustellen, ob Planungen und Maßnahmen mit den Erfordernissen der Raumordnung übereinstimmen (Feststellungsaufgabe). Es erfolgt kein Beteiligungsverfahren, es wird keine Umweltverträglichkeitsprüfung durchgeführt. Sie beschränkt sich auf die raumordnerischen Belange.



2.

Die Regelzuständigkeit für die Erarbeitung einer landesplanerischen Stellungnahme für eine Planung oder Maßnahme liegt bei der oberen Landesplanungsbehörde (§ 16 Abs. 2 Nr. 2 i. V. m. Nr. 5 LPlG). Sie kann im Einzelfall die untere Landesplanungsbehörde in die Erarbeitung der landesplanerischen Stellungnahme einbeziehen. Sofern sich die räumlichen Auswirkungen der Planung oder Maßnahme auf ein Gebiet eines Landkreises beschränken, kann die obere Landesplanungsbehörde die Erarbeitung der landesplanerischen Stellungnahme auf eine untere Landesplanungsbehörde übertragen.



3.

In den Fällen, in denen kein Raumordnungsverfahren nach Abschnitt IV durchgeführt wird, ist in der Regel in einem Zeitraum von einem Monat nach der Entscheidung über die Art der landesplanerischen Abstimmung (siehe Abschnitt III Nr. 3) eine landesplanerische Stellungnahme zu fertigen.

Im Rahmen der Feststellungsaufgabe für die landesplanerische Stellungnahme ist für beabsichtigte raumbedeutsame Planungen oder Maßnahmen zu prüfen, ob sie mit den Erfordernissen der Raumordnung übereinstimmen. Dabei sind die raumbedeutsamen Auswirkungen unter überörtlichen Gesichtspunkten zu prüfen.



Die landesplanerische Stellungnahme erfolgt auf der Grundlage

1.
der verbindlichen Vorgaben in Form von räumlich und sachlich bestimmten oder bestimmbaren, abschließend abgewogenen textlichen oder zeichnerischen Festlegungen (Ziele der Raumordnung) im Landesentwicklungsplan, den Regionalen Entwicklungsplänen (-programmen) oder den Regionalen Teilgebietsentwicklungsplänen (-programmen) zur Entwicklung, Ordnung und Sicherung des entsprechenden Raumes,
2.
der allgemeinen Aussagen zur Entwicklung, Ordnung und Sicherung der entsprechenden Räume vorgenannter Raumordnungspläne (Grundsätze der Raumordnung) und
3.
der in Aufstellung befindlichen Ziele der Raumordnung (Aufstellungsverfahren LEP, REP) und der Ergebnisse anderer förmlicher landesplanerischer Verfahren (Zielabweichungsverfahren).


Als Hilfsmittel dient das digitale Raumordnungskataster des Landes Sachsen-Anhalt, welches ergänzend zu raumbedeutsamen Planungen und Maßnahmen auch durch Fachgesetze festgelegte Schutzgebiete enthält.



Im Unterschied zum Raumordnungsverfahren erfolgt somit

1.
nur eine Bezugnahme auf abgeschlossene raumordnerische Abwägungsprozesse,
2.
gegebenenfalls eine Koordinierung raumbedeutsamer Planungen und Maßnahmen,
3.
grundsätzlich keine Beteiligung sonstiger fachlich berührter Stellen (Dritter),
4.
keine Umweltverträglichkeitsprüfung nach UVPG und
5.
keine Öffentlichkeitsbeteiligung.


Die inhaltliche Ausgestaltung der landesplanerischen Stellungnahme orientiert sich an den Ergebnissen des vorgenannten Abstimmungsprozesses und kann ggf. mit Maßgaben versehen werden. Auf die Bindungswirkung und auf die Wirkung auf das nachfolgende Zulassungsverfahren ist hinzuweisen. Die Berücksichtigung der landesplanerischen Stellungnahme im Zulassungsverfahren ist durch die obere Landesplanungsbehörde zu prüfen.



4.

Dem Träger der Planung oder Maßnahme ist die landesplanerische Stellungnahme als landesplanerische Feststellung, gegebenenfalls mit Maßgaben, zu übersenden. Der räumlich betroffenen unteren Landesplanungsbehörde ist nachrichtlich Kenntnis über den Inhalt zu geben.





VI.


Werden durch die Landesplanungsbehörde erstmalig im Bauleitplanverfahren oder im Zulassungsverfahren Stellungnahmen abgegeben, so ist deutlich zu machen, daß es sich um eine landesplanerische Stellungnahme im Sinne von § 13 Abs. 2 LPlG handelt.

Werden untere Landesplanungsbehörden im Bauleitplanverfahren oder im Zulassungsverfahren erstmalig zu einer Stellungnahme zu einer raumbedeusamen Planung oder Maßnahme aufgefordert, ist der oberen Landesplanungsbehörde unverzüglich gemäß § 13 Abs. 1 LPlG zu berichten, damit diese zur weiteren Verfahrensweise Stellung nehmen kann.

Über die Abgabe von Stellungnahmen im Zulassungsverfahren im Anschluß an landesplanerische Abstimmungen hat eine gegenseitige Unterrichtung der Landesplanungsbehörden zu erfolgen.





VII.


1.


1.1.
Wirkung auf das nachfolgende Zulassungsverfahren

Bei raumbedeutsamen Planungen und Maßnahmen hat die Zulassungsbehörde die Ergebnisse des Raumordnungsverfahrens in der Abwägung oder bei der Ermessensausübung nach Maßgabe der dafür geltenden Vorschriften zu berücksichtigen (§ 4 Abs. 2 bis 4 ROG, § 16 Abs. 2 UVPG). Maßgeblich sind weiterhin die Fachgesetze. Sehen diese eine Abwägungs- oder Ermessensentscheidung vor, sind die Ergebnisse des Raumordnungsverfahrens zu berücksichtigen. Bei gebundenen Entscheidungen ist für eine Berücksichtigung kein Raum. Die Zulassungsbehörde hat demzufolge unabhängig vom Ergebnis des Raumordnungsverfahrens eine eigene Prüfung aller Sachverhalte, die für die Gesamtabwägung oder für die Ermessensentscheidung relevant sein können, durchzuführen.

Im nachfolgenden Zulassungsverfahren soll von den für die Ermittlung und Beschreibung der Umweltauswirkungen vorgeschriebenen Anforderungen insoweit abgesehen werden, als diese Verfahrensschritte bereits im Raumordnungsverfahren (siehe Abschnitt IV Nr. 3.2.) durchgeführt worden sind (§ 16 Abs. 3 Satz 1 UVPG). Die Anhörung der Öffentlichkeit und die Bewertung der Umweltauswirkungen im Zulassungsverfahren sollen sich auf zusätzliche oder andere erhebliche Umweltauswirkungen beschränken (§ 16 Abs. 3 Satz 2 UVPG).

Wegen seines besonderen rechtlichen Charakters des Raumordnungsverfahrens kann auf dieser Planungsebene nicht abschließend i. S. des § 19 c BNatSchG festgestellt werden, daß durch die beabsichtigte Planung oder Maßnahme ein Gebiet nach §§ 19 a und 19 b BNatSchG erheblich beeinträchtigt wird.



1.2.
Rechtsschutzmöglichkeiten

Das Raumordnungsverfahren ist ein dem Vorhabenzulassungsverfahren vorgelagertes behördeninternes Verfahren zur Abwägung der raum- und umweltbezogenen Belange einer Planung oder Maßnahme unter überörtlichen Gesichtspunkten einschließlich gegebenenfalls einer Koordinierungsaufgabe. Das Ergebnis des Raumordnungsverfahrens ist gemäß § 4 Abs. 4 ROG zu berücksichtigen.

Die Vorschriften des Verwaltungsverfahrensgesetzes für das Land Sachsen-Anhalt finden im Raumordnungsverfahren keine unmittelbare Anwendung.

Gegenüber dem Träger der Planung oder Maßnahme sowie gegenüber einzelnen hat das Ergebnis des Raumordnungsverfahrens keine unmittelbare Rechtswirkung. Es ersetzt auch nicht die nach anderen Rechtsvorschriften erforderlichen Genehmigungen, Planfeststellungen und sonstigen Entscheidungen.

Als überörtliches Abstimmungsinstrument vermag das Raumordnungsverfahren keine unmittelbaren rechtlichen Betroffenheiten hervorzurufen, das heißt dem Antragsteller sowie benachbarten Dritten stehen gegen das Ergebnis eines Raumordnungsverfahrens keine Rechtsmittel zur Verfügung.

Angreifbar ist das Ergebnis des Raumordnungsverfahrens nur im Rahmen der verwaltungsgerichtlichen Überprüfbarkeit der nachfolgenden außenwirksamen Verwaltungsentscheidungen (u. a. Planfeststellungsbeschluß). Gleiches gilt auch für das Ergebnis der Umweltverträglichkeitsprüfung im Raumordnungsverfahren.



2.

Die landesplanerische Stellungnahme, die gegebenenfalls mit Maßgaben versehen sein kann, hat eine planungs- oder maßnahmenbezogene Einzelfallwirkung und ist nach § 4 Abs. 2 bis 4 ROG im nachfolgenden Zulassungsverfahren zu berücksichtigen. § 16 Abs. 3 UVPG findet keine Anwendung, da keine gesonderte Umweltverträglichkeitsprüfung durchgeführt wird.





VIII.


Dieser RdErl. tritt mit seiner Veröffentlichung in Kraft.



An die
Regierungspräsidien als obere Landesplanungsbehörden,
Landkreise und kreisfreien Städte als untere Landesplanungsbehörden






Anlagen (nichtamtliches Verzeichnis)

Anlage 1: Landesplanerische Abstimmung nach Landesplanungsgesetz des Landes Sachsen-Anhalt (LPlG) - Übersicht

Anlage 2: Ablauf des Raumordnungsverfahrens mit Umweltverträglichkeitsprüfung

Anlage 3: Arbeitsschema zur Ermittlung des voraussichtlichen Untersuchungsrahmens für die Umweltverträglichkeitsprüfung im Raumordnungsverfahren

Anlage 4: Festlegung des voraussichtlichen Untersuchungsrahmens gemäß § 5 UVPG

Anlage 5: Musterschreiben für die förmliche Einleitung eines Raumordnungsverfahrens mit Umweltverträglichkeitsprüfung

Anlage 6: Öffentliche Bekanntmachung (Muster)

Anlage 7: Presseinformation (Muster)

Anlage 8: Gliederung für eine Raumverträglichkeitsstudie*1) (Muster)

Anlage 9: Mindestanforderungen an die Unterlagen des Trägers der Planung oder Maßnahme für die Umweltverträglichkeitsprüfung im Raumordnungsverfahren

Anlage 10: Gliederung für eine Umweltverträglichkeitsstudie im Raumordnungsverfahren (Muster)

Anlage 11: Mindestvorgaben für die Beschreibung der raumbedeutsamen Auswirkungen der Planung oder Maßnahme (Raumverträglichkeitsprüfung)

Anlage 12: Orientierungsrahmen für die zusammenfassende Darstellung der raumbedeutsamen Umweltauswirkungen gemäß § 11 UVPG (Muster)

 


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