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Vorschrift
Normgeber:Ministerium für Landesentwicklung und Verkehr
Aktenzeichen:42.21-23100
Erlassdatum:15.12.2014
Fassung vom:23.02.2017
Gültig ab:01.07.2017
Quelle:Wappen Sachsen-Anhalt
Gliederungs-Nr:2192
Fundstelle:MBl. LSA. 2015, 114
Einrichtung, Nachweis und Erhaltung von Festpunkten für den Geodätischen Raumbezug (Raumbezugserlass)

2192



Einrichtung, Nachweis und Erhaltung von Festpunkten für den Geodätischen Raumbezug
(Raumbezugserlass)



Erl. des MLV vom 15. 12. 2014 – 42.21-23100



Fundstelle: MBl. LSA 2015, S. 114

Geändert durch Erl. des MLV vom 23.2.2017 (MBl. LSA 2017, S. 169)





1.


1.1


1.1.1 Das Amtliche Bezugssystem für die Lage ist das Europäische Terrestrische Referenzsystem 1989 mit der Universalen Transversalen Mercator Abbildung (ETRS89/UTM). Das Geodätische Datum des ETRS89 ist an die Lage der europäischen Kontinentalplatte im International Terrestrial Reference Frame 1989 (ITRF89) gebunden. Als Bezugsellipsoid für das ETRS89 wird das Geodätische Referenzsystem 1980 (GRS80) verwendet.



1.1.2 Das Amtliche Bezugssystem für die Höhe ist das Normalhöhensystem des Deutschen Haupthöhennetzes 2016 (DHHN2016). Bezugsfläche des DHHN2016 ist das Quasigeoid, das mit Konstanten des GRS80 berechnet worden ist und durch den Nullpunkt des Amsterdamer Pegels verläuft.



1.1.3 Das Amtliche Bezugssystem für die Schwere ist das Deutsche Hauptschwerenetz 2016 (DHSN2016). Das Bezugsniveau und der Maßstab sind durch absolute Schweremessung festgelegt.



1.1.4 Für Koordinaten, Höhen- und Schwerewerte ist das Système International d’ unité (SI) zu verwenden.



1.2


1.2.1 Die geodätischen Festpunktfelder sind das Lage-, das Höhen- und das Schwerefestpunktfeld. Sie umfassen alle Festpunkte.



1.2.2 Die Festpunktfelder sind die Grundlage für alle öffentlichen Vermessungen, so auch für die Führung des Liegenschaftskatasters und für die Geotopographische Landesaufnahme, sowie die Raumbezugsgrundlage für sämtliche raumbezogenen Informationssysteme des Landes. Darüber hinaus sollen die Festpunktfelder den Ansprüchen der Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft sowie der Landesverteidigung genügen.



1.3


1.3.1 Festpunkte sind geodätisch bestimmte Vermessungspunkte, deren Daten auf der Erde bestimmt sind und unter einer Punktkennung in den Nachweisen der Festpunkte geführt werden.



1.3.2 Festpunkte, die das jeweilige Amtliche Bezugssystem der Lage, der Höhe und der Schwere realisieren und dessen Reproduzierbarkeit gewährleisten, sind durch Vermessungsmarken zu kennzeichnen und zu sichern. Diese Festpunkte sind Fundamentale Festpunkte (FFP).



1.3.3 Festpunkte, die als Referenzstationen für satellitengestützte Verfahren dienen, sind durch Vermessungsmarken zu kennzeichnen und zu sichern. Diese Festpunkte sind Benutzungs-Festpunkte (BFP).



1.3.4 Festpunkte, die dem Anschluss von Vermessungen an das jeweilige Amtliche Bezugssystem der Lage, der Höhe und der Schwere oder der Bereitstellung des Raumbezugs dienen, werden in der Regel nur durch die geodätischen Bestimmungselemente festgelegt. Diese Festpunkte sind Benutzungs-Festpunkte.



2.


2.1


2.1.1 Ausgewählte Lagefestpunkte realisieren das Amtliche Bezugssystem der Lage in Sachsen-Anhalt und dessen Reproduzierbarkeit. Sie werden als Fundamentale Festpunkte der Lage (FFP-L) bezeichnet.



2.1.2 Fundamentale Festpunkte der Lage sind folgende Trigonometrischen Punkte (TP) auf dem Territorium des Landes Sachsen-Anhalt:



a)
die Geodätischen Grundnetzpunkte (GGP),


b)
die Festpunkte des Sachsen-Anhaltischen Referenznetzes (SANREF) und


c)
die Festpunkte des Deutschen Referenznetzes (DREF).


2.1.3 Die Lagekoordinaten werden durch satellitengestützte Verfahren bestimmt.



2.2


2.2.1 Ausgewählte Höhenfestpunkte realisieren das Amtliche Bezugssystem der Höhe in Sachsen-Anhalt und dessen Reproduzierbarkeit. Sie werden als Fundamentale Festpunkte der Höhe (FFP-H) bezeichnet.



2.2.2 Fundamentale Festpunkte der Höhe sind folgende Nivellementpunkte (NivP) auf dem Territorium des Landes Sachsen-Anhalt:



a)
der EUVN-Punkt (European Vertical Reference Network-Punkt) Flechtingen,


b)
die Landesnivellementhauptgruppe Behnsdorf,


c)
die Knotenpunkte des Nivellementnetzes 1. Ordnung des amtlichen Bezugssystems für die Höhe und


d)
die Unterirdischen Festlegungen (UF) des Nivellementnetzes 1. Ordnung des amtlichen Bezugssystems für die Höhe.


2.2.3 Die Höhenwerte werden durch Präzisionsnivellement bestimmt.



2.3


2.3.1 Ausgewählte Schwerefestpunkte realisieren das Amtliche Bezugssystem der Schwere in Sachsen-Anhalt und dessen Reproduzierbarkeit. Sie werden als Fundamentale Festpunkte der Schwere (FFP-S) bezeichnet.



2.3.2 Fundamentale Festpunkte der Schwere sind folgende Schwerepunkte (SP) auf dem Territorium des Landes Sachsen-Anhalt:



a)
der Schweregrundnetzpunkt Halle und


b)
Schwerefestpunkte des Schwerenetzes der 1. Ordnung und der 2. Ordnung des amtlichen Bezugssystems für die Schwere.


2.3.3 Die Schwerewerte werden durch Absolutgravimetrie oder Relativgravimetrie bestimmt.



2.4


2.4.1 Die Geodätischen Grundnetzpunkte dienen über Nummer 2.1.2 hinaus der physischen Realisierung und Sicherung des dreidimensionalen Raumbezugs in Sachsen-Anhalt.



2.4.2 Für die Geodätischen Grundnetzpunkte werden dreidimensionale Koordinaten im ETRS89 bestimmt. Die Koordinaten im Amtlichen Bezugssystem der Lage werden daraus abgeleitet. Darüber hinaus werden für die Geodätischen Grundnetzpunkte Höhenwerte und Schwerewerte bestimmt.



2.4.3 Mit der Verknüpfung der Festpunktfelder der Lage, der Höhe und der Schwere in den Geodätischen Grundnetzpunkten bilden diese die Basis für die Integration der drei geodätischen Festpunktfelder.



3.


3.1


3.1.1 Die Referenzstationen des Satellitenpositionierungsdienstes der deutschen Landesvermessung SAPOS® dienen der Bereitstellung des dreidimensionalen Raumbezugs und der operationellen Bestimmung von Koordinaten im Amtlichen Bezugssystem der Lage, sowie in Verbindung mit einem angepassten Quasigeoid der Ableitung von Höhen über Normalhöhennull (NHN) im Amtlichen Bezugssystem der Höhe.



3.1.2 Die Referenzstationen des SAPOS® sind Trigonometrische Punkte. Sie sind besonders ausgeprägte Benutzungs-Festpunkte der Lage.



3.1.3 In Sachsen-Anhalt sind landesweit gleichmäßig verteilte Referenzstationen des SAPOS® zu betreiben. Für diese ist ein weitgehend automatisiertes Monitoring durchzuführen.



3.2


3.2.1 Das Amtliche Bezugssystem der Lage wird über Benutzungs-Festpunkte der Lage bereitgestellt.



3.2.2 Trigonometrische Punkte, die nicht als Fundamentale Festpunkte der Lage geführt werden, sowie die Aufnahmepunkte (AP) sind Benutzungs-Festpunkte der Lage (BFP-L).



3.3


3.3.1 Das Amtliche Bezugssystem der Höhe wird über Benutzungs-Festpunkte der Höhe bereitgestellt.



3.3.2 Nivellementpunkte, die nicht als Fundamentale Festpunkte der Höhe geführt werden, sind Benutzungs-Festpunkte der Höhe (BFP-H).



3.4


3.4.1 Das Amtliche Bezugssystem der Schwere wird über Benutzungs-Festpunkte der Schwere bereitgestellt.



3.4.2 Schwerepunkte, die nicht als Fundamentale Festpunkte der Schwere geführt werden, sind Benutzungs-Festpunkte der Schwere (BFP-S).



4.


4.1


4.1.1 Für einzurichtende Festpunkte ist in Abhängigkeit von deren Art die Lage, die Höhe und die Schwere auf der Erde zu bestimmen.



4.1.2 Bei Bedarf sind mit Genehmigung der Obersten Vermessungs- und Geoinformationsbehörde Fundamentale Festpunkte und Referenzstationen des SAPOS® einzurichten.



4.1.3 Die Fundamentalen Festpunkte und die Referenzstationen des SAPOS® sind durch Vermessungsmarken zu kennzeichnen (Vermarkung) und zu sichern.



4.1.4 Weitere Benutzungsfestpunkte sind nur dann einzurichten, sofern sie zur Bestimmung oder Überprüfung von Fundamentalen Festpunkten oder zur Führung des Liegenschaftskatasters erforderlich sind.



4.1.5 Die Art der Marke und der Sicherung richtet sich nach der Art und der Bedeutung des Festpunktes sowie nach der Beschaffenheit seines Standortes. Die Art der Vermessungsmarke ist in den Nachweisen zu dokumentieren.



4.1.6 Zum Schutz des dauerhaften Bestands von Fundamentalen Festpunkten sind Schutzflächen einzurichten.



4.1.7 Wird eine Schutzfläche für einen Festpunkt in Anspruch genommen, ist die Bekanntgabe an den oder die Grundstückseigentümer erforderlich.



4.2


4.2.1 Die Festpunkte sind in den Nachweisen zu führen.



4.2.2 In den Nachweisen der Festpunkte werden die obligatorischen Daten zu den Festpunkten in einheitlicher Form flächendeckend, vollständig und aktuell geführt.



4.2.3 Die Nachweise der Festpunkte bestehen aus Übersichten, Beschreibungen und Sammlungen der Daten.



4.2.4 Neben den obligatorischen Daten sind in den Sammlungen der Daten zu den einzelnen Festpunkten sonstige Daten historischer oder verwaltungsinterner Art zu führen. Die sonstigen Daten sind nicht Bestandteil der Nachweise.



4.2.5 Werden zu einem Festpunkt Werte in mehreren Koordinatenreferenz- oder Schweresystemen geführt, ist nur der jeweils aktuelle Wert des Amtlichen Bezugssystems Bestandteil des Nachweises. Liegen zu dem Festpunkt auch historische Werte vor, so werden diese zusätzlich als sonstige Daten geführt.



4.2.6 Obligatorische Daten für Festpunkte sind:



4.2.6.1
für die Lagefestpunkte


a)
die Punktkennung,


b)
die Art der Marke, sowie


im Amtlichen Bezugssystem


c)
das Koordinatenreferenzsystem (Lage),


d)
die Lagekoordinaten,


e)
die Lagegenauigkeit,


f)
das Koordinatenreferenzsystem (Höhe),


g)
der Höhenwert,


h)
die Höhengenauigkeit;


4.2.6.2
für die Höhenfestpunkte


a)
die Punktkennung,


b)
die Art der Marke,


c)
das Jahr der Höhenmessung, sowie


im Amtlichen Bezugssystem


d)
das Koordinatenreferenzsystem (Höhe),


e)
der Höhenwert,


f)
die Höhengenauigkeit;


4.2.6.3
für die Schwerefestpunkte


a)
die Punktkennung,


b)
die Art der Marke,


c)
das Jahr der Schweremessung,


d)
das Jahr der Höhenmessung, sowie


im Amtlichen Bezugssystem


e)
das Koordinatenreferenzsystem (Lage),


f)
die Lagekoordinaten,


g)
das Koordinatenreferenzsystem (Höhe), h) der Höhenwert,


i)
die Höhengenauigkeit,


j)
das Schweresystem,


k)
der Schwerewert,


l)
die Schweregenauigkeit.


4.2.7 Festpunkte der Nachweise sind folgende Festpunkte für die sich nach § 10 des Vermessungs- und Geoinformationsgesetzes Sachsen-Anhalt (VermGeoG LSA) ein Anspruch auf Benutzung begründet:



a)
Referenzstationen des SAPOS®,


b)
Benutzungsfestpunkte der Lage,


c)
Benutzungsfestpunkte der Höhe,


d)
Benutzungsfestpunkte der Schwere.


Fundamentale Festpunkte, werden in den Nachweisen der Festpunkte geführt und sind nicht Bestandteil der Nachweise im Sinne von § 10 VermGeoG LSA.



4.2.8 Die Benutzungs-Festpunkte der Lage, der Höhe und der Schwere verbleiben dauerhaft in den Nachweisen, auch wenn die Marke örtlich nicht mehr vorhanden ist.



4.2.9 Die Nachweise der Festpunkte mit Ausnahme der Aufnahmepunkte werden im Amtlichen Festpunktinformationssystem (AFIS®) geführt. Für die Aufnahmepunkte werden die Nachweise im Amtlichen Liegenschaftskataster-Informationssystem (ALKIS®) und im Fach-Dokumenten-Managementsystem (DMS) geführt.



4.2.10 Die Messwerte und die Vermessungs- und Berechnungsergebnisse der Arbeiten in den Festpunktfeldern sind zu dokumentieren und dauerhaft zu führen.



4.3


4.3.1 Für die Fundamentalen Festpunkte und die Referenzstationen des SAPOS® besteht ein Erhaltungsgebot.



4.3.2 Es ist besonders darauf hinzuwirken, dass Fundamentale Festpunkte an ihren Standorten bestehen bleiben. Sie sind bei Gefährdung zu verlegen und bei Zerstörung durch einen neuen Punkt zu ersetzen.



4.3.3 Eine Verlegung von Fundamentalen Festpunkten und von Referenzstationen des SAPOS® sowie eine Verlegung oder Aufgabe von Unterirdischen Festlegungen sind der Obersten Vermessungs- und Geoinformationsbehörde vorab anzuzeigen.



4.3.4 Die Fundamentalen Festpunkte sind im erforderlichen Umfang und mit erforderlicher Dichte zu erhalten. Dazu werden sie zyklisch überwacht und bei Bedarf örtlich überprüft. Die Zyklen der Überwachung werden durch die Oberste Vermessungs- und Geoinformationsbehörde festgelegt.



4.3.5 Die landesweit verteilten Referenzstationen des SAPOS® sind turnusmäßig zu überwachen und zu überprüfen. Zur Gewährleistung der hohen Verfügbarkeit des SAPOS® ist ein automationsgestütztes Qualitätsmanagement einzurichten.



4.3.6 Bei Beschädigung oder Störung der Referenzstationen des SAPOS® sind Maßnahmen zur Erhaltung oder Neueinrichtung kurzfristig zu gewährleisten.



5.


Der gemäß Nummer 3 der Fachvorschriften der Vermessungs- und Katasterverwaltung (RdErl. des MI vom 16. 12. 2003 – 44.12-23001 – n. v.) seit 1. 1. 2004 als Verfügung des Landesamtes für Vermessung und Geoinformation geltende Festpunktfelderlaß ist aufzuheben.



6.


Dieser Erl. tritt am Tag nach seiner Veröffentlichung in Kraft.





An
das Landesamt für Vermessung
und Geoinformation Sachsen-Anhalt

 


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