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Vorschrift
Normgeber:Ministerium für Bildung
Aktenzeichen:24-82121
Erlassdatum:30.07.2019
Fassung vom:30.07.2019
Gültig ab:15.08.2019
Gültig bis:31.07.2024
Quelle:Wappen Sachsen-Anhalt
Gliederungs-Nr:22311
Fundstelle:SVBl. LSA. 2019, 206
Modellprojekt: Duales Lernen in Sekundar-, Gemeinschafts-, Gesamt- und Förderschulen für Lernbehinderte in Form von Praxislerntagen

22311



Modellprojekt: Duales Lernen in Sekundar-, Gemeinschafts-, Gesamt- und Förderschulen für Lernbehinderte in Form von Praxislerntagen



RdErl. des MB vom 30. 7. 2019 – 24-82121



Fundstelle: SVBl. LSA 2019, S. 206





Teil 1
Allgemeine Bestimmungen



1.


Praxislerntage sind eine Form des Dualen Lernens. Während der Praxislerntage werden allgemeinbildende Unterrichtsinhalte und die praktische Tätigkeit in einem Betrieb, einem Unternehmen, einer Berufsschule oder einer sozialen oder anderen Einrichtung verbunden. Durch die Verknüpfung von schulischem Lernen mit dem Lernen am Praxislernort erfolgt eine intensive Vorbereitung der Schülerinnen und Schüler auf den Übergang von der Schule in die Berufs- und Arbeitswelt. Die Kooperation mit den Betrieben, Unternehmen, Berufsschulen oder sozialen und anderen Einrichtungen garantiert die Berücksichtigung der Erwartungen dieser an die Absolventen der Sekundar-, Gemeinschafts-, Gesamt- und Förderschulen für Lernbehinderte und eine Verbesserung der Ausbildungs- und Studienreife der Schülerinnen und Schüler.



2.


2.1 Praxislerntage werden im 8. und 9. Schuljahrgang in der Sekundarschule und jeweils mit Ausnahme der Gymnasialzweige in der Gemeinschafts- und Gesamtschule im 8. und 9. Schuljahrgang, sowie in Förderschulen für Lernbehinderte durchgeführt. Vorbereitende Maßnahmen hierfür finden bereits im zweiten Schulhalbjahr des 7. Schuljahrgangs statt.



2.2 Grundlage für die Entscheidung zur Durchführung der Praxislerntage bildet ein Beschluss der Gesamtkonferenz.



2.3 Die Praxislerntage werden in Betrieben, Unternehmen, Lehrwerkstätten der Berufsbildenden Schulen oder sozialen und anderen Einrichtungen (im Folgenden Praxislernorte genannt) der Region durchgeführt. Die Schülerinnen und Schüler sollen so die betriebliche Realität kennenlernen und sich im betrieblichen Kontext bewähren. Die Entfernung zwischen Wohnung der Schülerinnen und Schüler und dem gewählten Praxislernort soll nicht mehr als 30 Kilometer betragen.



2.4 Praxislerntage werden an einem Unterrichtstag pro Schulwoche im 14-tägigen Rhythmus von allen Schülerinnen und Schülern der teilnehmenden Klassen entsprechend Nummer 2.3 durchgeführt. Sie sind eine schulische Veranstaltung und finden auf der Grundlage des Lehrplans statt.



3.


Während der Praxislerntage sollen die Schülerinnen und Schüler:



a)
fachliche, personelle und soziale Kompetenzen außerhalb der Lernortes Schule erwerben,


b)
erworbene Kompetenzen in der Praxis anwenden,


c)
das eigenständige und eigenverantwortliche Lernen verstärken,


d)
ihre gezielte und begründete Berufswahl fördern und stärken,


e)
neue Motivationen für das Erreichen des Schulabschlusses erwerben,


f)
ihre Vorstellung von Berufen und dem beruflichen Alltag konkretisieren,


g)
in verschiedenen Berufen soziale Kompetenzen und Handlungskompetenzen einüben (zum Beispiel Pünktlichkeit, Höflichkeit, Teamfähigkeit, Orientierung am Vorgesetzten, Arbeiten nach Anweisung, Kritikfähigkeit, Frustrationstoleranz, Durchhaltevermögen, personenadäquate Kommunikation, Beachten von Schutzvorschriften, Anstrengungsbereitschaft).


Teil 2
Besondere Bestimmungen



4.


4.1 Am Landesinstitut für Schulqualität und Lehrerbildung Sachsen-Anhalt (LISA) arbeitet zur Unterstützung der Schulen und zur Sicherung der Verbindung zur Wirtschaft eine Pädagogische Arbeitsstelle.



4.2 Eine von der Schule beauftragte Lehrkraft ist für die Koordination der Praxislerntage an der Schule zuständig. Sie ist die Kontaktperson zur Pädagogischen Arbeitsstelle.



5.


5.1 Das Team von Lehrkräften, deren Fächer bei der Durchführung der Praxislerntage integriert sind, erarbeitet einen Modellplan einschließlich der fachlichen Schwerpunkte.



5.2 Dieser Modellplan enthält Aussagen



a)
zu den genutzten Fächern,


b)
zu den für die Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung verantwortlichen Personen,


c)
zu den Anforderungen an fächerübergreifende Aufgaben, die durch die Schülerinnen und Schüler aufgrund der Tätigkeit am Praxislernort zu bearbeiten sind, zur Terminsetzung und zur Leistungsbewertung und


d)
zur Form der Auswertung und Präsentation der Arbeitsergebnisse.


6.


6.1 Jede Schülerin und jeder Schüler ist pro Schulhalbjahr an einem anderen Praxislernort tätig.



6.2 Im 9. Schuljahrgang können die Schülerinnen und Schüler einen bereits im 8. Schuljahrgang besuchten Praxislernort erneut besuchen. Hierzu bedarf es einer Absprache des Praxislernortes und der Schülerin oder des Schülers sowie der Zustimmung der verantwortlichen Lehrkraft.



6.3 Die Schülerinnen und Schüler sowie die Personensorgeberechtigten sind im Vorfeld umfassend über die Inhalte, Organisation, Ablauf und Einbindung in den Unterricht der Praxislerntage zu informieren. Hierzu soll zu Beginn des zweiten Schulhalbjahres im 7. Schuljahrgang ein thematischer Elternabend zu den Praxislerntagen durchgeführt werden.



6.4 Die Wahl des Praxislernortes soll vordergründig durch die Interessen und Neigungen der Schülerinnen und Schüler bestimmt werden. Die Ergebnisse der Kompetenz- und Interessenerkundung aus dem Landesberufsorientierungsprogramm Berufswahl Richtig Angehen Frühzeitig Orientieren (BRAFO) sollen einbezogen werden. Darüber hinaus soll die Wahl der Praxislernorte aktiv zum Abbau vorhandener Geschlechtsrollenstereotype sowie zur Förderung flexibler Rollenbilder beitragen.



6.5 Kann eine Schülerin oder ein Schüler aus gesundheitlichen oder sonstigen Gründen nicht am Praxislerntag teilnehmen, sind unverzüglich der Praxislernort und die Schule zu informieren. Die Schülerin oder der Schüler hat sodann der Schule eine entsprechende (ärztliche) Bescheinigung vorzulegen.



7.


7.1 Die vorbereitenden Maßnahmen im zweiten Schulhalbjahr des 7. Schuljahrganges dienen der Wahl eines Praxislernortes für die Durchführung des Praxislerntages im ersten Schulhalbjahr des 8. Schuljahrganges. Hierzu soll im Rahmen des Unterrichts eine schriftliche Bewerbung angefertigt werden, diese bildet einen Teil der Entscheidungsgrundlage der Praxislernorte.



7.2 Die Zeit am Praxislernort während des Praxislerntages beträgt maximal sieben Zeitstunden zuzüglich angemessener Pausen.



7.3 Alle Schülerinnen und Schüler einer Klasse leisten den Praxislerntag am gleichen Wochentag ab. Die Teilnahme ist für alle verpflichtend. Für Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf muss durch geeignete Maßnahmen sichergestellt werden, dass diese Schülerinnen und Schüler ebenfalls am Praxislerntag teilnehmen können. Für Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund ist deren ausreichende Sprachkompetenz Voraussetzung für die Teilnahme an den Praxislerntagen. Schülerinnen und Schüler, die aus besonderen Gründen nicht am Praxislerntag teilnehmen können, sind verpflichtet, während dieser Zeit den Unterricht in einer anderen Klasse, gegebenenfalls in einem anderen Schuljahrgang zu besuchen.



7.4 Sofern die Schule im Rahmen der Berufsorientierung mit dem Berufswahlpass arbeitet, kann dieser auch für die Praxislerntage verwendet werden. Eine Kooperation mit den Jugendberufsagenturen, den Arbeitskreisen Schule-Wirtschaft oder den Berufsberatungsangeboten der Bundesagentur für Arbeit wird empfohlen. Die Kooperation mit weiteren geeigneten Partnern ist möglich.



7.5 Der Praxislerntag ist in der Schule durch konkrete fachbezogene, fächerübergreifende und fächerverbindende Praktikumsaufträge vorzubereiten. Die Schülerinnen und Schüler erhalten durch die Schule individuelle Lernaufgaben, welche am Praxislernort zu erfüllen sind. Diese Praxisaufträge und Lernaufgaben müssen dem Modellplan nach Nummer 5.2 entsprechen.



8.


8.1 In den vom Praxislerntag umfassten Unterrichtsfächern erfolgt eine regelmäßige Auswertung.



8.2 Die Schülerinnen und Schüler führen während des gesamten Zeitraums der Durchführung der Praxislerntage ein Berichtsheft, in welchem über die Anforderungen und durchgeführten Tätigkeiten am Praxislernort berichtet wird.



8.3 Am Ende des jeweiligen Schulhalbjahres erhalten die Schülerinnen und Schüler von dem Verantwortlichen am Praxislernort den Auswertungsbogen (Anlage 1). Am Ende des jeweiligen Schulhalbjahres füllen die Schülerinnen und Schüler den Auswertungsbogen (Anlage 2) aus.



9.


9.1 Die für die jeweiligen Schülerinnen und Schüler während des Praxislerntages zuständige Lehrkraft führt zur Beratung und Unterstützung regelmäßige Besuche am Praxislernort durch. Jeder Praxislernort benennt der Schule im Vorfeld einen Verantwortlichen. Dieser führt die Schülerinnen und Schüler in den Praxislernort ein und belehrt über die Haus- und Betriebsordnung. Die Praxislernorte stellen die Erfüllung der betrieblichen Aufsichtspflicht sicher.



9.2 Die Schülerinnen und Schüler unterliegen der jeweiligen Haus- und Betriebsordnung. Die Schülerinnen und Schüler haben während des Praxislerntages den Anordnungen und Weisungen der am Praxislernort tätigen Personen zu folgen.



9.3 Zwischen den verantwortlichen Lehrkräften und den Verantwortlichen am Praxislernort ist eine intensive und kontinuierliche Abstimmung über Inhalt und Organisation der Praxislerntage sicher zu stellen.



9.4 Weitere Hinweise zu den Praxislerntagen für Schülerinnen und Schüler sowie Personensorgeberechtigte sind dem Merkblatt zum Dualen Lernen in Form von Praxislerntagen für Schülerinnen und Schüler sowie Personensorgeberechtigte (Anlage 3) zu entnehmen.



9.5 Weitere Hinweise zu den Praxislerntagen für die Praxislernorte sind dem Merkblatt zum Dualen Lernen in Form von Praxislerntagen für Praxislernorte (Anlage 4) zu entnehmen.



10.


10.1 Die für die Schülerinnen und Schüler anfallenden Kosten für die im Rahmen des Praxislerntages durchzuführenden Fahrten zwischen Wohnung und Praxislernort trägt das Land, sofern diese nicht durch den Träger der Schülerbeförderung gemäß § 71 SchulG LSA abgegolten sind. Erstattungsfähig sind die Fahrtkosten nur in Höhe der Kosten der billigsten Fahrkarte der allgemein niedrigsten Klasse eines regelmäßig verkehrenden Beförderungsmittels. Sofern der Praxislernort nicht mit dem öffentlichen Personennahverkehr erreicht werden kann, werden Fahrtkosten entsprechend dem Bundesreisekostengesetz erstattet. Der Anspruch auf Erstattung entfällt, wenn die Personensorgeberechtigten einen oder mehrere Schülerinnen und Schüler im Rahmen des regulären Arbeitsweges zum Praxislernort oder zum Wohnort befördern. Die Abrechnung erfolgt über die Pädagogische Arbeitsstelle „Duales Lernen“.



10.2 Die von den Lehrkräften im Rahmen des Praxislerntages durchzuführenden Fahrten sind Dienstreisen im Sinne des § 4 BesVersEG LSA.



10.3 Ausgaben für Arbeits- und Verbrauchsmaterialien oder Arbeits- und Schutzbekleidung können bis zu 40 Euro je Schülerin und Schüler pro Schuljahr im Zusammenhang mit der Planung, Durchführung und Nachbereitung des Praxislerntages erstattet werden, soweit diese Arbeitsbekleidung, Arbeits- oder Verbrauchsmaterialien nicht von der Schule oder dem Praxislernort zur Verfügung gestellt werden können. Über Ausnahmen entscheidet die Pädagogische Arbeitsstelle „Duales Lernen“. Die Abrechnung erfolgt über die Pädagogische Arbeitsstelle „Duales Lernen“.



10.4 Den Kammern ist es gestattet, den Schulen oder den Schülerinnen und Schülern als Anerkennung Prämien, zum Beispiel in Form von Gutscheinen oder Fahrkarten zu übergeben, wenn die im Zuständigkeitsbereich der Kammern liegenden Betriebe, Berufsschulen oder sozialen Einrichtungen am Praxislerntag teilnehmen. Die Personensorgeberechtigten und die Schule sind darüber in Kenntnis zu setzen.



11.


Dieser RdErl. tritt mit Wirkung vom 15. 8. 2019 in Kraft. Er tritt mit Ablauf des 31. 7. 2024 außer Kraft.



An
die Sekundarschulen, Gemeinschaftsschulen und Gesamtschulen in öffentlicher und freier Trägerschaft
die Förderschulen für Lernbehinderte


Anlagen (nichtamtliches Verzeichnis)

Anlage 1: Auswertungsbogen für den Praxislerntag (durch den Betrieb auszufüllen)

Anlage 2: Auswertungsbogen für den Praxislerntag (durch die Schülerin/den Schüler auszufüllen)

Anlage 3: Merkblatt zum Dualen Lernen in Form von Praxislerntagen für Schülerinnen und Schüler sowie Personensorgeberechtigte

Anlage 4: Merkblatt zum Dualen Lernen in Form von Praxislerntagen für Praxislernorte

 


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http://www.landesrecht.sachsen-anhalt.de/jportal/?quelle=jlink&query=VVST-223110-MB-20190730-SF&psml=bssahprod.psml&max=true